Ja, bitte. Sicherlich spricht da auch der Ex-Raucher in mir, und das sind bekanntlich die schlimmsten Nichtraucher. Aber mal Hand aufs Herz: Rauchen ist schädlich, auch für Passivraucher und Rauchen ist eine Sucht, die aus meiner Sicht nicht als Ausdruck persönlicher Freiheit dient. Denn da setzen viele Kritiker des Rauchverbotes an: an der persönlichen Freiheit des Einzelnen gegen die Bevormundung durch den Staat. Und wenn man die Opferrolle noch gleich mit markigen Vergleichen garnieren kann (wie weiland Anett Louisan oder ein paar echt bescheuerte Gschäfterlmacher), umso besser.
Wie weit es damit her ist, habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit im Radio hören dürfen: eine Reporterin fragt an einem typisch bayerischen Stammtisch nach Meinungen. Da war dann auch die ganze Menge an Plattitüden zu hören: »Liberalitas Bavariae ist gefährdet!«, »Leben und leben lassen!« und »Sag dem Freistaat leise Servus« (wobei der Knabe mal nachschlagen sollte, was mit dem Begriff eigentlich gemeint ist …), jedenfalls solle doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden dürfen. Auf die Frage, ob einer der Anwesenden vielleicht doch für das Rauchverbot sei, meinte einer ganz trocken: »der dad do ned lang sitzn!« — für meine hochdeutschen Leser: »der würde hier nicht lange sitzen!«. Jetzt würde ich gerne wissen, ob dem Manne irgendwann noch klargeworden ist, wie sehr er sich damit ins Knie geschossen hat.
Und zur Freiheit als solcher: mit exakt den gleichen Argumenten kann ich Kinderschändung, Genmais, Waffenhandel und viele andere Dinge legitimieren, von denen ein normaler Mensch weiß, dass sie sich nicht gehören. Oder?
sind eigentlich weniger die genauen Entgleisungen, die Du Dir geleistet hast: jeder hat das Recht, mal verbal in die Suppe zu hauen, alleine schon aus Gründen der Psycho-Hygiene. Aber mal ehrlich: dass macht man doch dann entweder im stillen Kämmerlein oder vor Leuten, denen man wirklich vertraut (was bei Dir im Nachhinein betrachtet wohl auf das Gleiche herauskommen dürfte, aber hinterher ist man immer schlauer …). Denn Entschuldigungen helfen jetzt nichts mehr, auch wenn Obama Dir nur ein »geh‹ schon, kleiner Rabauke« mitgeben würde: Du hast das Amt beleidigt — und wer das tut, isst auch kleine afghanische Kinder.
Wozu ein iPad? Ich habe mal versucht, meine Apple-Abneigung und meinen Kulturpessimismus für einen Moment abzulegen und nüchtern zu überlegen, ob das iPad etwas für mich ist. Meine Näherung dabei: was würde es für mich tun, wie und womit erledige ich das derzeit?
Mein Zeug
- Da wäre einmal mein Netbook. Ein recht normales HP-Mini mit Windows 7 Starter (bin gerade dabei, mit dem neuen Ubuntu zu spielen). Es hat eine Kamera, Speicherkartenleser, drei USB-Anschlüsse, WLAN und UMTS, Akkulaufzeit rd. 8 Stunden.
- T-Mobile G1, das erste Android-Handy. Installierte Apps (ich lasse mal Spielkram weg):
- Evernote
- Remeber the Milk
- Foursquare
- Bahnauskunft
- Sparkassen-App (nein, bitte keinen Kommentar dazu …)
- Google Mail
- Facebook-App
- Twitdroid
- Dropbox
- Sony eBook-Reader Pocket
Zum Thema Fairness: ich behaupte mal, dass sich ein MacBook mini im Alltagseinsatz nicht viel schlechter oder besser ausnimmt als mein Netbook, ein iPhone nicht viel besser oder schlechter als mein Android. Man kann mit beiden alles damit machen, was auch das jeweilige Gegenstück kann.
Gewicht
Jetzt ist mein Zeug gewichtsmäßig ein klein schwerer als nur ein iPad, dafür bin ich aber auch flexibler: ich kann auch mal mit leichtem Gepäck unterwegs sein. Einigen wir uns also in diesem Punkt auf »unentschieden«, einverstanden?
1:1
Kosten
ok, mein Zeug ist ein bisserl teurer: Netbook 300, G1 400, eBook-Reader 300 — kommt auf ca. 1.000 Euronen gegen die 600 fürs iPad. Andererseits kann ich die Dinger einzeln austauschen und ich behaupte mal, dass ich insgesamt deutlich mehr »Leistung« und »Nutzen« ziehe. Auch unentschieden?
2:2
Usability, Ease-of-Use
Geben wir dem iPad mal einen Gummipunkt. Teils, weil das OS wirklich hübsch ist, teils, weil die durchgängige Bedienung gegenüber meinem Zeug durchaus Effizienzvorteile haben dürfte (zumindest bei den Anwendungsfällen, die überhaupt möglich sind).
2:3
So, jetzt schauen wir mal:
Anwendungsfall: Von unterwegs »Social-Webben«
Kann ich entweder mit Handy oder mit Netbook. In beiden Fälle mit richtiger Tastatur. Selbst mit viel Gnade kann ich keinen klaren iPad-Vorteil erkennen => mein Zeug gewinnt.
3:3
Anwendungsfall: unterwegs Filme kucken
Mein Netbook hat kein DVD-Laufwerk. Aber haufenweise Plattenplatz. Und ich muss es nur aufklappen und hinstellen, keine Zusatzhalterung (die ich mitschleppen muss), kein Gefrickel mit einem massiven Gegenstand, gegen das man das iPad lehnen muss. Über Codecs brauchen wir gar nicht reden: Flash kann man lieben oder hassen. Aber: es ist (noch) Standard. Ich bin (wie viele Apple-Jünger) der Ansicht, dass Flash eine Sackgassen-Technologie ist, aber die Alternativen sind entweder noch nicht verbreitet genug oder genausowenig offen wie Apple selber (irgendjemand hat mal behauptet, H.264 sei Open-Source … HA!). Aber gut, da auch das Flash-Thema das Zeug zum Glaubenskrieg hat, werte ich diesen Teil nicht, aber ich glaube, man kann von einem Punktsieg für mein Zeug sprechen.
4:3
Anwendungsfall: mal schnell einen Strichcode nachkucken
Kaum zu glauben, wie oft ich das nutze, seitdem ich es kann. iPad — keine Kamera — Fehlanzeige. Schon mal Google Goggles genutzt? Punkt für mein Zeug.
5:3
Anwendungsfall: Buch lesen
Ich gebe zu: ich habe es noch nicht versucht. Aber ich glaube, gegen mein Sony kann es nichts ausrichten: Augenfreundlichkeit, Batterielaufzeit (mein Sony läuft »zehn Bücher lang«). Punkt für mein Zeug.
6:3
Anwendungsfall: Fotos von der Cam bearbeiten, versenden und sichern
Kein USB, kein Speicherkartenleser, zu wenig Speicher im iPad. Punkt für mein Zeug.
7:3
Anwendungsfall: Surfen auffer Couch
Dafür brauche ich Flash-Anwendungen nicht wirklich (ausser für Videokucken). Also unumwunden: Punkt für iPad.
7:4
Anwendungsfall: Online Arbeiten
Die meisten Online-Anwendungen, die Spass machen (Pixlr, Creatly etc.) sind Flash– oder Flex-basiert. Die es nicht sind, leider oft auf Maus– und/oder Tastaturbedienung ausgelegt. Ich habe mal aus Spaß versucht, Wordpress und Typolight auf einem Touch-PC zu bedienen — keine Chance! Das sind aber nun mal die Anwendungen, die ich am meisten verwende … also Punkt für mein Zeug.
8:4
Anwendungsfall: Home-Automation
Meiner Meinung liegt hier ein Riesen-Potenzial des Gerätes. Musik-Streaming in Zimmer, Steuerung von TV, Heizung, Licht etc … solche Sachen kann ich mir mit Notebook, PC oder Handy nicht gut vorstellen. Aber da gibt es noch nicht soviel an Systemlösungen von Siemens, Heimann, Viessmann … oder? Trotzdem: auf die glorreiche Zukunft wetten die Finanzmärkte, mache ich es halt auch und gebe dem iPad hier einen Gummipunkt.
8:5
Anwendungsfall: Telefonieren
Geht nicht mit iPad. Unfair? Nö. Denn ein zusätzliches Handy taucht ja oben weder in der Kosten– noch in der Gewichtsrechnung auf.
9:5
Anwendungsfall: Cool sein
Klarer Fall: mit dem iPad kommt man nicht im Ansatz in den Verdacht, ein Nerd zu sein. Und jetzt nochmal ohne Spott: das Ding sieht schon gut aus — macht auch Technik-Averse an. Wobei es halt auch immer mehr zur Massenware verkommt, und dadurch auch der Coolness-Faktor nachlässt … gleichwohl: Punkt für iPad.
9:6
Meine subjektive Bilanz
Mein Zeug gewinnt. War mir zwar vorher schon klar, aber vielleicht glaubt mir jetzt der eine oder andere, dass ich nicht nur schimpfen kann (wobei auch meine anderen Posts hier hin und wieder anklingen ließen, dass ich Apple ab und an auch schon mal Recht gebe). Was müsste passieren, damit meine Bilanz anders ausfällt? Abgesehen davon, dass sich Apple als Unternehmen komplett drehen müsste, gar nicht mal soviel: Multitasking, zwei Kameras (eine vorne, eine hinten), USB-Anschluss (und Treiber für die allernötigsten Geräte!), ausklappbarer Ständer oder zumindest ein glatter Rücken, Plastik-Rücken, damit WLAN & UMTS vernünftig tun … die Kür wäre ein Bildschirm, der ungefähr so funkioniert wir der vom OLPC, nur besser …
Und Du?
Jetzt mal im Ernst: Wofür willst Du das Ding einsetzen, warum sieht Deine subjektive Bilanz anders aus? Warum muss es unbedingt das iPad sein? Warum nicht auf das Google-Pad warten? Was ist am WePad verkehrt? Oder am HP-Slate? Würde mich wirklich interessieren! Wobei ich vorwarne: für jede genannte sinnvolle Anwendung des iPad, die mein Zeug nicht kann, werde ich mindestens eine für mein Zeug finden, die das iPad nicht kann.
Spaß!
Nette Kleinigkeit: damit kann man Tweets mal schnell eben dauerhaft zitieren. So sieht das dann aus:
@GlobalSozial — ich erwarte noch Schatten, Spiegelungen und Bonbonfarben. Und heissen wird das ganze dann »Sparkassr« oder »Sparkassly»
Viele Menschen sind ja mit Ihnen einer Meinung, dass Kreuze nix in Schulzimmern verloren haben. So zum Beispiel ich. Aber haben Sie denn ernsthaft geglaubt, dass man das als CDU-Mitglied laut sagen darf? Als angehende Ministerin obendrein? Oder, dass Ihnen noch jemand zuhört, wenn Sie im nächsten Satz auch das gleiche über andere religiöse Symbole, wie etwa Kopftücher sagen? Ohne Sie jetzt näher zu kennen, wage ich mal die Behauptung, dass Sie so naiv nicht sind und hefte es als PR-Gag ab. Denn jetzt kennt wirklich jeder Ihren Namen, der heute den Tag nicht unter einem Stein verbracht hat. Respekt schon mal davor.
Bitte helft mir grad mal denken: hat Herr Jansen vom »Bund Deutscher Kriminalbeamter« eine gute Idee? Er möchte ein Browser-Plugin, mit dem der Bürger anstössige oder rechtswidrige inklusive Screenshot direkt an die Polizei melden kann.
Positiv:
Die User bekommen vielleicht ein wenig mehr Verantwortung fürs Netz.
Negativ:
Denunziation — wenn mir Nachbars Nase nicht gefällt, melde ich seinen Blog einfach der Polizei
Ich glaube, er generiert seinen Kollegen sehr viel mehr Arbeit, als die Sache wert ist.
Vielleicht sollte man die Grundidee aufgreifen — und die Screenshots an eine Community senden, die dann abstimmt, ob ein Verdachtsfall zur Exekutive geht.
… wird aktuell von vielen kritisiert, weil die Summe seiner Einzelteile so viel billiger ist, als der Verkaufspreis des Endprodukts. Wer mich kennt (oder hin und wieder diesen Blog liest) wird mich nun auf Seiten der Kritiker vermuten — diese Erwartungshaltung muss ich indes herb entäuschen: Apple hat nie behauptet, ein Wohlfahrtsverein zu sein, und exakt so funktioniert die Wirtschaft: ich kaufe preiswerter ein, als ich verkaufe. Ganz nebenbei kostet es auch eine Kleinigkeit, herauszufinden,wie man die Einzelteile so zusammenbastelt, dass etwas herauskommt, was viele Menschen unbedingt haben wollen (man nennt das »Entwicklung« und »Marktforschung«).
Was mich schon wieder mehr auf die Palme bringt: der Deal mit Amazon, denn der wird darauf hinauslaufen, dass ich auch künftig viele Bücher nicht im ePub-Format bekomme, sondern mir entweder einen häßlichen Kindle oder eben ein iPad kaufen muss.
… hassen, lieben, ignorieren, was auch immer. Aber sie jetzt, wo wirklich jeder Depp ein iPhone hermuschleppt, als Marke für Individualisten zu bezeichnen, ist genauso bescheuert, wie bei einem Audi A4.
Das Unternehmen Terrapower möchte kleine Kernkraftwerke basteln, die Hinz und Kunz im Garten einbuddeln können. Dort sollen die Dinger erstmal 60 Jahre Strom liefern und danach 60 Millionen Jahre vor sich hingammeln und –strahlen.
Jetzt kam heraus, dass Terrapower von Intellectual Ventures finanziert wird, an dem wiederum Bill Gates beteiligt ist. Wenn das mit seiner Zustimmung passiert ist, hat er sich sämtliche Gummipunkte bei mir verscherzt. Ich wage die Behauptung: die gleiche Menge Kohle in Sachen wie die Bloombox oder sichere und platzsparende Speichertechnologien zu investieren, dürfte weitaus cleverer sein.











