turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Archiv: November 2007


Grund­le­gen­des Thema sind grob gesagt Ver­tei­lun­gen und Zusam­men­hänge, zum Bei­spiel zwi­schen Ein­kom­men und Kin­der­sterb­lich­keit. An geeig­ne­ten Stel­len fügt Hans Ros­ling his­to­ri­sche »Mer­ker« ein, zum Bei­spiel: »und dann kam Mao«. Eine wesent­li­che Erkennt­nis ist, dass Ent­wick­lungs­hilfe nicht funk­tio­nie­ren kann, wenn sie die unter­schied­li­chen Gege­ben­hei­ten vor Ort nicht berück­sich­tigt. So gibt es bereits inner­halb eines klei­nen afri­ka­ni­schen Lan­des immense Unter­schiede, die noch grö­ßer wer­den, wenn man zwei afri­ka­ni­sche Län­der (z.B. Niger und Süd­afrika) betrach­tet. Trotz­dem nei­gen wir alle dazu, Afrika als gan­zes zu betrach­ten und unsere Ent­wick­lungs­pro­gramme auch auf diese Annahme abzu­stel­len.

The impro­ve­ment of the World must be highly contextualized

Ich würde das mal frei über­set­zen mit: »Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Welt müs­sen immer den gesam­ten Kon­text einbeziehen«.

Wirk­lich span­nend ist übri­gens auch, wie Dr. Ros­ling (übri­gens ein Schwede) seine Daten prä­sen­tiert: ich glaube, so gute Visua­li­sie­run­gen von sta­tis­ti­schem Mate­rial habe ich noch nie gese­hen. Das Video soll­ten sich also auch Leute anse­hen, die mit der Auf­be­rei­tung sol­cher Daten zu tun haben. Auch die obli­ga­to­ri­sche War­nung, die Zah­len nicht iso­liert zu betrach­ten, fehlt nicht.

Ich gebe es ja zu, heute bin ich blog­faul. Dafür gibt es ein schö­nes Foto von mei­ner Lieb­lings­in­sel Amrum :)

Pech für den Star­tup Xibben: Google hat auch was Web-2.0-iges in Pla­nung. Die betref­fende Infor­ma­ti­ons­seite zur neuen Kom­men­tar­funk­tion für Such­er­geb­nisse scheint nir­gendwo direkt ver­linkt zu sein, ist aber irgend­wie wohl doch in die Blo­go­sphäre gesi­ckert. Jeden­falls hat sich Google (mal wie­der) gedacht: warum kom­pli­ziert, wenn es auch ein­fach geht? Die neuen Funk­tio­nen beste­hen aus drei kei­nen Sym­bo­len, die sich unauf­dring­lich neben die ein­zel­nen Tref­fer schmuggeln:

  • Gute Tref­fer kön­nen mar­kiert wer­den. Bei künf­ti­gen Suchen kommt die­ser Tref­fer dann ganz oben und ist zudem markiert.
  • Schlechte Tref­fer kön­nen eben­falls mar­kiert wer­den und erschei­nen bei der nächs­ten Suche gar nicht mehr
  • Wenn man eigene Sei­ten zu den Such­er­geb­nis­sen hin­zu­fü­gen möchte, die Google nicht kennt (oder die auf Seite 546 der Such­er­geb­nisse wärem wenn man sich bis dahin durch­ge­klickt hätte …), kann man diese ergän­zen, auch diese wer­den dann künf­tig oben und mar­kiert angezeigt.

Für die Nut­zung muss man ange­mel­det sein, da die Ergeb­nisse erst­mal nur für den jewei­li­gen Nut­zer (und Googles gro­ßen Daten­topf, that is …) bestimmt sind. Ok, ist noch nicht ganz Web-2.0-ig, es fehlt noch der Gedanke, aus den Emp­feh­lun­gen der Benut­zer einen Fak­tor für den Page-Rank (gibt auf einer Skala von 0 bis 10 die Mei­nung von Google zur Rele­vanz einer Web­seite wie­der) von Google zu machen. Aber das ist nur noch ein klei­ner Schritt …

Jetzt wird es sogar mir zuviel. Ich gebe zu, bis­lang hatte ich keine klare Posi­tion zu dem Thema, viel­leicht eine kleine Ten­denz zu »wer nichts zu ver­ber­gen hat, hat auch nichts zu befürch­ten«, solange das ganze unter rich­ter­li­cher Kon­trolle statt­fin­det und nur in sehr weni­gen Ein­zel­fäl­len durch­ge­führt wird.

Aber.

Jetzt lie­gen Pläne auf dem Tisch, dass Vor­rats­da­ten künf­tig auch Rech­te­in­ha­bern geschütz­ter Werke zur Ver­fü­gung gestellt wer­den sol­len. Und das finde ich schon deut­lich jen­seits. Es ist eine Sache, den Rechts­staat zu schüt­zen, eine völ­lig andere, die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen einer Bran­che zu schüt­zen, die mit moder­nen Tech­no­lo­gien sel­ber nicht klar­kommt (und dies sogar noch zugibt). Wenn die sich näm­lich durch ver­nünf­tige und kun­den­ori­en­tierte Geschäfts­mo­delle auf so neu­mo­der­nen Kram wie das Inter­net ein­ge­stellt hät­ten, wage ich mal die Behaup­tung, dass es bei wei­tem nicht so viele Raub­ko­pie­rer geben würde.

Gott­sei­dank stehe ich nicht alleine da: der Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­tragte Peter Schaar zu dem Thema:

Der Bun­des­rat würde sich bei dem aus ver­fas­sungs– und daten­schutz­recht­li­cher Sicht ohne­hin schon äußerst pro­ble­ma­ti­schen Gesetz­ent­wurf für eine uner­träg­li­che Ver­schär­fung stark machen.

Nach­trag, 18:20 Uhr: es ist wohl wirk­lich an der Zeit, sich ein fes­te­res Urteil zu bil­den. Ich werde ein bis­serl goog­len und eine Link­liste zusam­men­stel­len. Ich habe näm­lich schon das Gefühl, dass da zuviel mit Herz und zuwe­nig mit Ver­stand dis­ku­tiert wird. Da hilft es manch­mal, ein­fach Fak­ten als Basis zu haben.

In Corn­wall — wirk­lich schön da! Infos zum Tin­ta­gel Castle natür­lich bei Wikipedia

… ganz gehö­rig auf die Ner­ven.

Min­dest­lohn für Brief­zu­stel­ler kommt

Ich würde mal sagen, so wie der Stern kann man es for­mu­lie­ren, wenn man eine Nach­richt schrei­ben will, die nur den Sach­ver­halt wie­der­gibt.

Union knickt im Mindestlohn-Streit ein

Bei der Ver­sion des Han­dels­blatts könnte man schon auf die Idee kom­men, dass der Autor der Nach­richt den Min­dest­lohn für keine so gute Idee hält.

Auch Jour­na­lis­ten dür­fen eine Mei­nung haben, sogar eine poli­ti­sche, sie sol­len diese dar­über hin­aus sogar sagen und schrei­ben dür­fen. Nur: dafür gibt es jour­na­lis­ti­sche For­men (wel­che das Han­dels­blatt sonst auch in nen­nens­wer­tem Umfang nutzt!). Eine Nach­richt ist dafür ein­fach der fal­sche Platz. Dass die Bild-Zeitung sowas macht ist bekannt, beim Han­dels­blatt finde ich das schade.

Ein längst fäl­li­ger Link­tipp. TED ist eine seit 1984 jähr­lich in Mon­te­rey statt­fin­dende Kon­fe­renz und das Akro­nym für Tech­no­logy, Enter­tain­ment, Design. Die Idee war zunächst, Leute aus die­sen Berei­chen zusam­men­zu­brin­gen, um inter­dis­zi­pli­nä­res Arbei­ten zu för­dern (ich frage mich gerade, ob es die­sen Begriff damals über­haupt schon gege­ben hat :). Seit­dem sind wei­tere The­men, wie Umwelt­schutz, Welt­wirt­schaft, Bil­dung oder Medi­zin hinzugekommen.

Die Grund­idee ist sim­pel: es wer­den Visio­näre aus allen Fach­rich­tun­gen ein­ge­la­den, einen 18-minütigen Vor­trag vor den ande­ren und der Öffent­lich­keit zu hal­ten. Natür­lich wird auch auf­ge­zeich­net und ins Inter­net gestellt — und das macht die Sache span­nend, weil man nicht dabei sein muss, um die teil­weise bril­lan­ten Vor­träge zu hören — es fehlt dann nur noch die Mög­lich­keit, mit dem Spre­cher zu inter­agie­ren. Aber das geht ja viel­leicht auch bald per Ava­tar — über­haupt wären vir­tu­elle Wel­ten ein guter Ver­an­stal­tungs­ort, würde dies doch auch Men­schen die Teil­nahme ermög­li­chen, die sonst nicht teil­neh­men könnten.

Bei der Aus­wahl der Refe­ren­ten scheint ein Haupt­kri­te­rium zu sein, dass diese eine posi­tive Grund­ein­stel­lung zur Mensch­heit haben. Über­haupt hat das ganze manch­mal einen recht neu­welt­li­chen Zucker­guss, aber das braucht man halt manch­mal auch als Gegen­satz zu Mie­se­pe­tern und Sau­er­töp­fen um einen herum.

In der Fülle der abge­deck­ten The­men ist sicher­lich für jeden etwas Inter­es­san­tes dabei. Man muss nicht alles gut fin­den, inspi­rie­rend und fas­zi­nie­rend ist es alle­mal. Ich habe bei wei­tem noch nicht alle Videos gese­hen, man sollte sich auch die Zeit neh­men, sie wir­ken zu las­sen. Ich werde jeden­falls jetzt unge­fähr ein­mal in der Woche eine Video hier vor­stel­len und mei­nen Senf dazu geben.


Have a good time — that´s the gene­ral idea of things

Erwähnte ich bereits, dass das Kon­zert ges­tern gar nicht übel war?


Das ist so hart, da fällt gar nicht auf, dass es eine Schnulze ist!

Also ich per­sön­lich kann ja weder den »MMPOGs« noch dem »Second-Life« viel abge­win­nen. Ich kenne aber sowohl die einen (meine First-Life-Frau zockt doch recht gerne WoW), als auch die ande­ren (die es lie­ben, gemein­sam etwas zu bauen, die spre­chen sogar von Kunst und das würde ich gar nicht mal ver­nied­li­chen und lächer­lich machen wol­len). Als Men­schen sind das jeden­falls alles rela­tiv nor­male Leute, die mit bei­den Bei­nen fest im Leben stehen.

Ich sel­ber tue mich halt eher schwer, in Rol­len zu schlüp­fen oder Ziele zu errei­chen, die vir­tu­ell sind. Ein fort­ge­schrit­te­ne­res »Second-Life« (mit ver­nünf­ti­ger Spra­che, Ges­ten– oder zumin­dest Mimi­ker­ken­nung …) würde mich aber begeis­tern kön­nen, da ich den Ansatz, belie­bige Objekte bauen zu kön­nen und »sich-online-mit-Freunden-treffen-um-gemeinsam-etwas-zu-tun-was-so-nicht-möglich-wäre-weil-zu-weit-weg« schon attrak­tiv finde. Das hätte auch nichts vir­tu­el­les mehr, son­dern erfüllt ganz reale Bedürf­nisse. Bereits heute gibt SL eben nicht nur die »echte« Welt wie­der, son­dern ich kann dort alles bauen, was meine Phan­ta­sie her­gibt — sogar Raum­schiffe wur­den wohl schon gese­hen (erwähnte ich, dass ich ein­klei­ner SF-Junkie bin?).

Und was das Tref­fen angeht: Freunde von mir sind vor zwei Mona­ten nach Weit-Weit-Weg gezo­gen. Ich bin fast sicher, dass das »Kon­takt­hal­ten« ein­fa­cher wäre, wenn es einen Platz geben würde, wo man sich online tref­fen kann — was »real« ca. zwei Tage und 300 Euro kos­ten würde. E-Mail und Tele­fon erset­zen das »Zusam­men­sein« ein­fach nicht. Blogs, Chats und Picasa-Alben hel­fen, füh­len sich aber auch eher an wie Krü­cken. Und letzt­lich ist ein Second-Life nichts ande­res als alles vor­ge­nannte zusam­men, ergänzt um viel­leicht eine nette Gra­fik (dass die nicht unbe­dingt so toll sein muss, habe ich an ande­rer Stelle schon mal geschrieben).

Was die Zukunft angeht: ich bin sicher, dass das Thema »vir­tu­elle Wel­ten« ein ähnli­ches Poten­zial hat, wie das WWW. Wohl­ge­merkt: ich spre­che von »vir­tu­el­len Wel­ten« und nicht von »Second-Life«.

Ich kann mich sehr gut erin­nern, als Com­pu­serve, AOL oder mei­net­we­gen auch BTX/T-Online ange­fan­gen haben:

  • vom Internet-Urgestein (E-Mail mit Pine, News­goups, Gopher und so …) belächelt
  • von der »Old-Economy« ignoriert
  • von der Presse gehy­pet und ver­teu­felt und
  • vom Couch-Potatoe mit »was soll ich mit dem Sch…« abgetan.


Die ers­ten WWW-Nutzer muss­ten sich auch lau­fend recht­fer­ti­gen, dass sie »bei die­sem Por­no­kram da« mit­ma­chen. Als sich das Thema dann lang­sam ent­wi­ckelte, waren denn auch Presse und selbst­er­nannte Kul­tur­kri­ti­ker schnell dabei, die Gefah­ren der Online­sucht zu kol­por­tie­ren, dar­über hin­aus die Ver­blö­dung der Jugend und über­haupt den Unter­gang des Abend­lan­des. Diese Hexen­jagd muss aber jedes Medium durch­ma­chen: dem Fen­se­hen ging es nicht anders und ich bin fast sicher, dass die ers­ten Bücher genauso ver­teu­felt wur­den.

Heute fin­det im WWW jeder was er braucht:

  • Fir­men wickeln Pro­zesse darin ab (und wären ohne nicht mehr konkurrenzfähig)
  • Zei­tun­gen & andere Medien sind online (und ver­die­nen dort schon fast so viel wie mit dem Papier)
  • die Kir­che und der Vati­kan haben auch ihre Niederlassungen
  • und die Couch-Potatoes, naja, für irgend­wen muss der ganze Online-Porno-Kram ja auch gemacht wor­den sein. Und neben­bei macht er eBan­king, kauft Kram bei Ama­zon, spart mas­sig Kohle beim Malle-Trip-buchen, schickt sei­nen gan­zen Kum­pels E-Mails mit lus­ti­gen Power­points und bas­telt an der Home­page für sei­nen Stopselclub.

Was ich sagen will: das WWW ist heute Infra­struk­tur, ohne geht es ein­fach nicht mehr. Es wurde am Anfang ebenso gehy­pet, belä­chelt, ver­teu­felt und ange­nom­men wie heute die »vir­tu­el­len Welten« — nur wenige haben erkannt haben, was »es« eigent­lich ist. Und es würde mich kein biss­chen wun­dern, wenn wir in fünf bis zehn Jah­ren Wel­ten wie die von Lin­den genauso selbst­ver­ständ­lich nut­zen wür­den, und zwar ohne, dass das Abend­land dabei unter­ge­gan­gen wäre.


 

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