turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Archiv: Dezember 2007

Net­tes Buch, das. Dachte ich zunächst. Zuerst die guten Sei­ten: Esch­bach lässt poli­ti­sche Aspekte fast völ­lig aus­sen vor und ver­tritt ins­ge­samt eine ange­nehm neu­trale Posi­tion, man spürt meist das »adia­tur et altera pars«, nur sel­ten bezieht er klar Posi­tion. Was für diese Art Bücher wahr­schein­lich ok ist. Unge­fähr in der Mitte hatte ich zwei »Aha-Erlebnisse«. Als ich zu einem Thema hin­ten nach­schla­gen wollte, wel­che Quel­len Esch­bach für eine etwas gewag­tere Theo­rie hatte, musste ich fest­stel­len, dass es über­haupt keine Quel­len gibt — und das sind dann doch recht wenige. Dass er alle im Buch ange­ge­be­nen Infor­ma­tio­nen und Ideen selbst wis­sen­schaft­lich her­ge­lei­tet hat, ist für mich eben­falls nicht wirk­lich vor­stell­bar: zuviel klingt ver­traut, hat man in Gali­leo oder P.M. schon mal gele­sen oder gehört.

Bei der Gele­gen­heit bin ich dann an einem kur­zen Frag­ment auf den letz­ten Sei­ten hän­gen­ge­blie­ben: Stich­wort Kli­ma­ka­ta­stro­phe — woran Esch­bach nicht wirk­lich glaubt. Sei ihm zuge­stan­den, die ech­ten Wis­sen­schaft­ler (also nicht sol­che wie Esch­bach oder meine Wenig­keit) sind sich ja auch noch nicht ganz einig. Aber: er ver­tritt ernst­haft die Ansicht, die Ver­wen­dung von Ener­gie­spar­lam­pen in Mit­tel­eu­ropa sei keine so gute Idee. Die Begrün­dung mit den Schwer­me­tal­len könnte ich ja noch halb­wegs nach­voll­zie­hen, wenn sie denn zutref­fen würde*. Aber das eigent­li­che Argu­ment ist recht über­ra­schend: die her­kömm­li­chen Glüh­bir­nen tra­gen wesent­lich zur Behei­zung von Wohn­raum bei! Ohne die­sen Anteil müsste man die eigent­li­che Hei­zung län­ger lau­fen las­sen, was inge­samt teu­rer wäre. Mann, sorry, Herr Esch­bach, aber das ist gequirl­ter Mist. Wenn es ener­ge­tisch wirk­lich sinn­voll wäre (was viel­leicht bei sehr alten Hei­zun­gen mit schlech­ter Kon­trolle über den Wir­kungs­grad zumin­dest ansatz­weise wirk­lich sinn­voll klin­gen könnte), mit Strom zuzu­hei­zen, würde man Zusatz­hei­zun­gen bauen, die genau für die­sen Zweck opti­miert sind. Oder die Hei­zung gegen eine aus­tau­schen, bei der es sol­chen Schwach­sinn nicht braucht. Also, Herr Esch­bach: ent­we­der ist Dein Onkel bei Osram (wobei die mitt­ler­weile wahr­schein­lich auch mehr mit Ener­gie­spar­lam­pen ver­die­nen …) oder das ist nicht ernst gemeint. Oder es ist eine Kon­trolle, ob Deine Leser mit­den­ken. Aber so blöd, das sel­ber zu glau­ben, bist du nicht, Herr Esch­bach. Das Pro­blem dabei ist, dass man den Rest des Buches, den Teil, der plau­si­bel und rich­tig klingt, dann auch skep­ti­scher sieht. Hm. Viel­leicht ist das der Sinn?

*) Wobei einem tech­nisch inter­es­sier­ten, hel­len Kopf wie Esch­bach sicher­lich auch neuere Ent­wick­lun­gen auf die­sem Gebiet bekannt sein dürf­ten — so gibt es LED-Lampen und queck­sil­ber­freie Energiesparlampen.

Nach­trag am 19.1.2008: habe ein bis­serl nach­ge­forscht, es scheint, den Part mit den queck­sil­ber­freien Ener­gie­spar­la­men muss ich zurück­neh­men: Queck­sil­ber wird prin­zip­be­dingt bei allen Ent­la­dungs­lam­pen benö­tigt. Aber: ers­tens nicht viel und zwei­tens las­sen sich die Lam­pen ener­gie­spa­rend recey­clen. Wer mehr wis­sen will: wie immer bei Wiki­pe­dia. Und die Zukunft gehört eh´ der LED.

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Ich bin ja schon immer ein heim­li­cher Ver­eh­rer der Kunst von Terry Prat­chett. Mit sei­nem neuen Buch hat er es hin­be­kom­men, dass ich zum unheim­li­chen Ver­eh­rer gewor­den. Die Rah­men­hand­lung ist schnell beschrie­ben: ein Gau­ner namens Feucht von Lip­wig (allein schon für seine Namen muss man Prat­chett [und sei­nen Über­set­zer, Andreas Band­horst] lie­ben!) wird von Lord Veti­nari … über­re­det, Post­mi­nis­ter zu wer­den um das marode Post­we­sen wie­der flott zu machen — denn gegen die Über­macht des neuen Kla­ckers (einer Art Tele­graph mit Sema­pho­ren) könne nur ein noto­ri­scher Betrü­ger beste­hen. Erste Erfolge wer­den errun­gen, auch stellt sich her­aus, dass der Kla­cker oder »der große Strang«, in der fes­ten Hand von noch grö­ße­ren Betrü­gern ist: Finanz­in­ves­to­ren haben die guten Idee den Erfin­dern abge­presst und wirt­schaf­ten sie nun her­un­ter, um ihren eige­nen Pro­fit zu maxi­mie­ren. Mit Hilfe der Göt­ter, sei­nem erwa­chen­den Glau­ben an das Gute und nicht zuletzt der Liebe einer Frau (naja, oder so ähnlich …) wen­det Feucht schließ­lich alles zum Guten.

Was das Buch fas­zi­nie­rend macht, sind die vie­len klei­nen Anspie­lun­gen und Ver­glei­che: der »große Strang« steht mal sinn­bild­lich für das Inter­net, das Tele­ga­phen­sys­tem oder die »Matrix«, in der sich die See­len der im Dienst umge­kom­me­nen Klacker-Operatoren tum­meln und im »Over­head« der Nach­rich­ten von einem Ende des Strangs und zurück geschickt wer­den. Auch Hacker und deren Slang feh­len nicht. Ganz gro­ßes Kino ist aber, wie Prat­chett das Geld­sys­tem erklärt. Der Chef der Kre­dit­bank, Herr Käse­burg, hatte mit dem Haupt­bö­se­wicht gemein­same Sache gemacht. Die Bank ist pleite. Oder? Lest selbst:

Erst gegen Mor­gen­grauen tra­fen seriöse Män­ner ein. Sie waren älter, dicker und bes­ser geklei­det — aber nicht auf­fäl­lig, nie auf­fäl­lig — und beweg­ten sich mit dem Ernst ech­ten Gel­des. Sie waren Finan­ciers, rei­cher als Könige (die oft recht arm waren), aber in der Stadt kannte sie kaum jemand außer­halb ihres Krei­ses, und in den Stra­ßen wären sie gar nicht auf­ge­fal­len. Sie spra­chen leise mit Käse­burg, als hätte er einen schmerz­li­chen Ver­lust erlit­ten, und anschlie­ßend spra­chen sie unter­ein­an­der, schrie­ben mit gol­de­nen Dreh­bei­stif­ten in kleine Notiz­bü­cher, lie­ßen Zah­len tan­zen und durch Reife sprin­gen. Dann wurde eine stille Überein­kunft getrof­fen, und Hände wur­den geschüt­telt, was bei die­sen Leu­ten weit­aus mehr bedeu­tete als ein unter­schrie­be­ner Ver­trag. Der erste Domi­no­stein stand wie­der still. Die Säu­len der Welt zit­ter­ten nicht mehr. Am Mor­gen würde die Kre­dit­bank öffnen und die Gehäl­ter bezah­len. In der Stadt würde wei­ter­hin das Geld flie­ßen. Sie hat­ten Ankh-Morpok mit Gold geret­tet, und viel leich­ter als irgend­ein Held mit Stahl. Aber eigent­lich war es gar kein Gold gewe­sen, nicht ein­mal das Ver­spre­chen von Gold, son­dern eher die Vor­stel­lung von Gold, der zau­ber­hafte Traum davon dass Gold da ist, am Ende des Regen­bo­gens, und dass es auch wei­ter­hin da sein wird, vor­aus­ge­setzt natür­lich, man geht nicht hin und sieht nach.

Bevor jetzt Mecke­reien von den »ech­ten« Fans kom­men: ja, ich werde mir das Buch gleich noch­mal kau­fen, auf eng­lisch. Gene­rell lohnt es sich ver­mut­lich, die Bücher öfter zu lesen, um mehr von die­sen Geschich­ten in der Geschichte mit­zu­be­kom­men. Ach ja: mor­gen abend kucke ich »Mort« als Thea­ter­stück in Hamburg.

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Die Vor­schuss­lor­bee­ren sind jeden­falls zahl­reich, was an Details bekannt ist, klingt wirk­lich inter­es­sant. Der Craw­ler istwird Open-Source und nutzt brach­lie­gende Rechen­ka­pa­zi­tä­ten von Nut­zern (ich gehe mal davon aus, mit deren Ein­ver­ständ­nis :) — wie SETI@home sei­ner­zeit (oder gibt es das noch?). Jeden­falls: am 7. Januar ist es soweit und ich bin wirk­lich gespannt.

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… drei Tage Ham­burg und zwei Tage Heide ste­hen uns bevor. Hof­fent­lich wird es nicht zu kalt :) Inter­net ist dabei, also keine Blog­pause — »stay tuned«!

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Wer es nicht kennt: der Largo ist ein Platz mit­ten in Rom. Neben einer Aus­gra­bungs­stätte gibt es dort eine wei­tere Sehens­wür­dig­keit: viele Kat­zen. Wei­tere Infor­ma­tio­nen und Spen­den­mög­lich­keit auf der Web­site des Kat­zen­asyls.

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pas­siert es häu­fi­ger oder bekom­men wir es nur häu­fi­ger mit?
Bin rat­los.

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Natür­lich sind immer die ande­ren schuld: jetzt sol­len gefäl­ligst die ISP (Internet-Service-Provider, also die Fir­men, die den Internet-Zugang bereit­stel­len) dafür sor­gen, dass keine raub­ko­pier­ten Musik-MP3s mehr durch das Inter­net bewegt wer­den kön­nen. Die IFPI (Inter­na­tio­nal Fede­ra­tion of the Pho­no­gra­phic Indus­try) hat dazu auch kon­krete Vorschläge:

  • ganze Pro­to­kolle anschal­ten, die ver­däch­tig sind (kon­kret die P2P — damit wird ja eh´ nur Schind­lu­der getrieben …)
  • Inhalts­fil­ter — der gesamte Daten­ver­kehr wird unter­sucht, wenn ein Daten­pa­ket ver­däch­tig ist, wird es nicht durch­ge­las­sen (das muss man mal zu Ende den­ken: die wol­len den gan­zen Internet-Verkehr belauschen!)
  • Blo­ckade bestimm­ter Ser­ver (z.B. allofmp3), die für die Ver­brei­tung von angeb­lich unzu­rei­chend lizen­sier­ter Musik bekannt sind.

Letz­te­res könnte ich mir noch vor­stel­len, wenn eine »neu­trale« Stelle (sprich: ein Rich­ter) die Liste der Ser­ver abseg­net. Bezah­len soll dies der ISP, der sich ja dafür ein rei­nes Gewis­sen erkauft. Da ja auch die Kos­ten für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung die ISP tra­gen müs­sen, kön­nen wir uns auf stei­gende Kos­ten gefasst machen. Allein des­halb ver­stos­sen sol­che Ideen aus mei­ner Sicht gegen die Ver­fas­sung: sie behin­dert durch stei­gende Kos­ten den freien Zugang zu Infor­ma­tio­nen. Von den Kon­se­quen­zen für den Daten­schutz möchte ich erst gar nicht anfan­gen. Und das alles nur, weil eine ganze Bran­che zu selbst­ge­fäl­lig ist, auf sich ver­än­dernde Märkte zu reagieren.

Die Web­site des deut­schen Able­gers ist ein gutes Bei­spiel dafür, was ich meine: rd. 3/4 der Start­seite haben direkt oder indi­rekt das Thema »Raub­ko­pie«. Ist die­ser Ver­band wirk­lich für nichts ande­res da?

Ich denke wirk­lich dar­über nach, über­haupt noch Musik über die klas­si­schen Labels zu bezie­hen. Als ers­tes werde ich mir eine Liste der Mit­glie­der die­ser IFPI besor­gen und diese dann boy­kot­tie­ren. Die Bands bekom­men dann jedes Mal eine aus­führ­li­che E-Mail, warum ich ihre neuen Alben gerne gekauft hätte und warum ich es totz­dem nicht tun werde. Viel­leicht auch end­lich ein Anlass, auch mal »andere« Musik zu hören. Hier gibt es zum Bei­spiel eine kleine Aus­wahl davon.

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Weil der neue KITT kein Alkohol-Analyse-Gerät an Bord hat, das ver­hin­dert, dass man besof­fen fährt (die Schwe­den, diese alten Säu­fer, haben wohl so ein Sys­tem tat­säch­lich schon erfun­den). Wo doch jeder weiß: schon der erste KITT konnte sel­ber fah­ren, also ist so ein Kram gar nicht nötig. Der Traum eines jeden Stamm­tisch­bru­ders — wobei man ver­mut­lich aber dann doch wie­derum halb­wegs nüch­tern sein muss, um einem Dorf­po­li­zis­ten klar­zu­ma­chen, dass KITT die Sache schon im Griff hat.

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Mann, das ist echt bescheu­ert: die deut­sche Musik­in­dus­trie hat rekla­miert, dass Ama­zon auch Import-CD aus ande­ren Län­dern in Deutsch­land anbie­tet, die einen Hauch bil­li­ger sind, als die Pres­sun­gen für den deut­schen Markt. Man unter­stellte sogar Ille­ga­li­tät.
Diese Dumm­hei­ten hier ken­nen wir ja schon:

aber das hier ist neu:

  • sich mit Ama­zon, einem der wich­ti­ges­ten Absatz­ka­näle, anzulegen.

Und wie rea­giert Ama­zon: rich­tig, ein­fach gar keine CDs mehr ver­kau­fen. Wird mir immer sym­pa­thi­scher, der Laden.

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Erwähnte ich bereits, dass rote Schal­ter auf mich eine große Fas­zi­na­tion ausüben?

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