turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Archiv: Mai 2009

… mache es aber trotz­dem: mein aus­ge­präg­ter Libe­ra­lis­mus macht bei drei The­men eine Pause: Waf­fen, Extre­mis­mus und Kin­der­por­no­gra­fie. Aber ich bin abso­lut gegen Urschels Fei­gen­blatt. Viele Gründe wur­den schon angeführt:

  • Das Gesetz ist tech­nisch abso­lut untaug­lich — es braucht ledig­lich einen Hauch mehr als Internet-Grundlagenwissen, um die Sperre zu umge­hen. Wer es nicht glau­ben mag, möge ein wenig goo­geln, ich wage die Aus­sage, selbst der blö­deste DAU weiß nach zehn Minu­ten, wie man anonym surft.
  • Stich­wort anonym sur­fen: ja, ich bin der Mei­nung, dass ich das Recht habe, das zu tun. Genauso wie ich das Recht habe, in mei­ner Woh­nung unbe­ob­ach­tet zu popeln oder an den blauen Gott der blin­den Schaf­züch­ter Neu­see­lands zu glau­ben: schlicht­weg, weil es nie­man­den etwas angeht, weder meine Ver­si­che­rung, mei­nen Arbeit­ge­ber, meine Mut­ter noch mei­nen Intim­feind. Wenn ich dabei etwas Straf­ba­res mache, hat der Staat durch­aus das Recht, mich bei einem kon­kre­ten Ver­dacht auf rich­ter­li­che Anord­nung zu über­wa­chen, in engen Gren­zen, aber mehr auch nicht. Gewal­ten­tei­lung und so.
  • Wenn wir heute wegen einer sinn­lo­sen Jagd auf Kinderporno-Konsumenten Grund– und Büger­rechte opfern, tun wir es mor­gen für Tausch­bör­sen­nut­zer. Oder Falsch­par­ker. Oder lau­fen sonst irgend­ei­ner Lobby hin­ter­her, die gerade am lau­tes­ten nach staat­li­cher Pro­tek­tion schreit. Denn sol­che Ten­den­zen beschrän­ken sich nicht auf das Inter­net, sind im Gegen­teil nur exem­pla­risch für eine Geis­tes­hal­tung, die den Men­schen nicht als Bür­ger, son­dern als Unter­ta­nen oder naive Kin­der begreift — oder einen Markt als dau­er­haft »gmaahds Wiesl« (siehe Musik­in­dus­trie).

Der Ham­mer ging aber heute mor­gen durch den digi­ta­len Blät­ter­wald: sage und schreibe 92 % der Bun­des­bür­ger sind für das Gesetz, nach einer Umfrage von Infra­test im Auf­trag der Deut­schen Kin­der­hilfe. Nun unter­stelle ich letz­te­rer lau­tere Absich­ten und ers­te­rer eine metho­disch kor­rekte Vor­ge­hens­weise. Trotz­dem: mit der rich­ti­gen Fra­ge­tech­nik kann man so ziem­lich jede Ant­wort erhal­ten, die der Autrag­ge­ber bestellt hat. Diese Bin­sen­weis­heit trifft sich hier mit der Cha­rak­te­ris­tik des Men­schen, trotz erwie­se­ner Ahnungs­lo­sig­keit ein­fach die Fresse nicht hal­ten zu kön­nen — denn die Ant­wor­t­o­p­tion »keine Ahnung« oder »kann ich nicht beur­tei­len« wäre durch­aus vor­han­den gewe­sen. Und so bleibt ein fader Beige­schmack: es gab auch mal eine Mehr­heit, die — über­zeugt  — NSDAP gewählt hat.
Gemein dabei ist: wenn ich nicht zufäl­lig im Internet-Business wäre, wäre ich wohl auch 92-%-ig über­zeugt. Ande­rer­seits bin ich viel­leicht des­we­gen im Inter­net aktiv: weil es mehr ist als tech­ni­scher Spielkram.

Nach­trag 21.5.: heise hat ver­gli­chen. Ein Schlin­gel namens Chris­tian Bahls hat eben­falls eine sug­ges­tive Umfrage bei Infra­test beauf­tragt — mit dem Ergeb­nis, dass 90 % der befrag­ten Per­so­nen gegen das Gesetz sind. Der wesent­li­che Unter­schied: Bahls wen­det sich mit einer völ­lig ande­ren Aus­sage an die Presse.

Bahls zeigt mit sei­nem Expe­ri­ment, dass es für sol­che kom­pli­zierte, viel­schich­tige Pro­ble­ma­ti­ken wie der Ver­brei­tung von Kin­der­por­no­gra­phie und die Maß­nah­men weder sim­ple Fra­gen noch ein­fa­che Ant­wor­ten gibt. Ein Ver­such, der Bevöl­ke­rung, die mehr­heit­lich über die Sach­lage kaum infor­miert ist, sol­che Ant­wor­ten zu ent­lo­cken, kann nicht funktionieren.

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2009 15 Mai

Kultur

Tradition

Das Wort treibt mich zur Zeit ein bis­serl um. Habe gerade einen schö­nen Satz dazu gehört:

Tra­di­tion ist nicht das Bewah­ren der Asche, son­dern das Wei­ter­ge­ben der Flamme.

Fast alles wurde schon gesagt und wird hier von mir nur kurz bestä­tigt: wohl­tu­ende Anlei­hen bei Star-Wars, über­ra­schend pas­sa­ble Schau­spie­ler, eine eigent­lich recht dröge Story (wenn man es genau nimmt, exakt die glei­che wie im letz­ten Teil, nur dass da der Nero Shin­zon [oder so] hieß), aber Wurscht: geile Action und eine erstaun­li­che Ver­traut­heit mit den Cha­rak­te­ren (für »uns« Trek­kies, that is).

Was mich aller­dings gewun­dert hat:

  • Dafür, dass J.J. nach eige­nem Bekun­den kein Trek­kie ist, gib­bet erstaun­lich viele Zitate und Anspie­lun­gen. Hatte wohl gute Bera­ter. So ein paar Mil­lio­nen davon.
  • Mir wurde end­lich klar, warum ich Kirk vor­her nie gemocht hatte: lag an Shat­ner. Hm. Bei Picard ist es im Nach­hin­ein exakt umgekehrt.

Und in Lon­don schau´ ich ihn mir auch noch­mal an :)

2009 8 Mai

Unterwegs

London …

dahin geht es mor­gen früh und wir freuen uns schon wie Schnee­huhn dar­auf. Aus­ser von Bar­bara gibt es noch Insider-Tipps von einer WoW-Kameradin mei­ner Gat­tin. Ganz cool: es gibt eine geringe Chance, Patrick Ste­wart live und in Farbe zu sehen, wenn­gleich eine ganz, ganz kleine. Zwar ist alles aus­ver­kauft, aber zumin­dest spielt er in der Woche :)
Bereicht folgt!


 

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