turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Kategorie: Gesellschaft

Sehr geehr­ter Herr (oder Frau) Regierungsdirektor(-in?) Kaindl,

ich nehme Bezug auf Dein Schrei­ben mit dem o.a. Betreff, das mich am heu­ti­gen Tage (die Post scheint es nicht recht eilig zu haben, die­ser Tage … oder hast Du Schelm das Brief­lein erst ges­ten in die Post gege­ben, Du klei­ner Schelm?) erreicht  hat (und zwar dop­pelt — bei der Gele­gen­heit eine kleine Frage: kann es sein, dass die Lakaien zu dei­ner lin­ken Hand nicht wis­sen, dass die Lakaien zu dei­ner rech­ten Hand letz­tes Jahr unse­ren Stra­ßen­na­men von »…straße« auf »…weg« geän­dert haben? Denn das wär der ein­zige Unter­schied zwi­schen bei­den Schrei­ben …).  wei­ter­le­sen… »

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Ich bekomme es gerade nicht auf die Reihe: wie kön­nen frei­heit­lich den­kende, demo­kra­tisch gesinnte und auf rechts­staat­li­che Grund­sätze pochende Men­schen ein­hel­lig einen Mord völ­lig kri­tik­los gutheissen?

Ich meine: klar, Osama war eine Dreck­sau, ein Ter­ro­rist und ein kom­plett ver­blö­de­ter Voll­pfos­ten. Im Ergeb­nis kein Ver­lust für die Mensch­heit. Aber den George W. haben sie ja auch nicht gleich erschossen.

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Bis vor kur­zem dachte ich noch, naja, mal seine Ver­sion hören. Jetzt hat der Gut­ten­berg ges­tern moniert, dass der Tod dreier Sol­da­ten neben der Bericht­er­stat­tung über seine Pla­giate zur Rand­no­tiz ver­kom­men sei. Lie­ber KT: es geht nicht um Euer Durch­laucht kläg­li­chen Ver­such, das Selbst­wert­ge­fühl mit einem Titel auf­zu­pols­tern. Es geht um einen betrü­gen­den Bun­des­mi­nis­ter. Und das — mit Ver­laub — hat sehr wohl die volle Auf­merk­sam­keit der Presse ver­dient. Geht es noch erbärm­li­cher? Ja, sicher: Ber­lus­coni und Gad­dafi. In der Reihenfolge.

Was aber fast noch schlim­mer ist: das Wahl­volk küm­merts nicht! Da betrügt ein Minis­ter zu sei­nem eige­nen, pri­va­ten Vor­teil — und wird nach wie vor als Kanz­ler gehan­delt? Und über Ber­lus­coni regt man sich auf … Mir ist klar, dass ins­be­son­dere der Bayer gerne dem Spruch zuneigt: »a Hund is er schon!« und das ganze als sku­rile Rand­no­tiz abtun möchte. Aber bringt der Stamm­tisch­bru­der den Spruch immer noch, wenn gegen einen mit ner grö­ße­ren Klappe und gefälsch­tem Zeug­nis den Kür­ze­ren zieht?

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… dass die Deut­sche Bahn über die GDL schimpft. Nun, diese Nach­richt dürfte nie­man­den über­ra­schen. Pas­siert nicht oft, dass meine Sym­pa­thien der Deut­schen Bahn gel­ten. Daher hal­tet euch fest: ich schimpfe auch über die GDL! Inter­es­siert Euch nicht? So what …

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Tut mir leid, ich muss mal wie­der ätzen. Heute mor­gen im Radio, zuerst der ner­vige Spruch: »… dies wurde aus Krei­sen bekannt«. Nennt mich alt­mo­disch — aber das ist maul­faul. Frü­her hieß das mal »wie aus gewöhn­lich gut unter­rich­te­ten Krei­sen bekannt wurde …«  - war zwar damals schon Ver­le­gen­heits­deutsch, ergab aber wenigs­tens ansatz­weise einen Sinn (ja, nicht »machte Sinn«!).

Noch viel schlim­mer ist das hier: »… nah­men die Arbeits­lo­sen um 2 % zu.« Aha. Wer vor­her 100 Kilo wog, wiegt jetzt also 102 Kilo. Ich wollte mich schon erei­fern: die sol­len arbei­ten gehen, nicht fressen! — aber halt: das sollte hei­ßen: »… nahm die Zahl der Arbeits­lo­sen um 2 % zu«.

Braucht man als Redak­teur heute wirk­lich kein Sprach­ge­fühl mehr?

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… würde ich Wiki­leaks wohl auch run­ter­wer­fen. Aller­dings nicht poli­tisch moti­viert, son­dern weil ich schlicht befürch­ten müsste, dass alle meine ande­ren Kun­den unter den unaus­weich­li­chen DOS-Attacken lei­den müss­ten und mir damit meine Exis­tenz­grund­lage ent­zo­gen würde. Wenn ich aber ein Hos­ter von der Größe Ama­zons wäre …

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… zu die­sem Link hätte ich drei Fragen:

http://www.cio.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2010/20101126_einfuehrung_des_neuen_personalausweises.html

  • Warum haben Ihre Kol­le­gen bei der IT-Beauftragten keine Rechtschreib-Prüfung?
  • Warum darf man ihnen nur drei Fra­gen stel­len? Sind Sie am Ende gar eine gute Fee?
  • Warum wird Ihr Name nicht genannt? Hat­ten Ihre Kol­le­gen etwa gar Besuch von einer schlech­ten SEO-Agentur? Oder sper­ren Sie den Google-Bot eh´ aus? Wobei: wun­dern tät mich letz­te­res gar nicht …

Im Ernst, ins­be­son­dere der letzte Punkt ist ein so ekla­tan­tes und dras­ti­sches Bei­spiel dafür, wie Behör­den den­ken und funk­tio­nie­ren. Ers­tens geht man offen­bar davon aus, dass jeder den Namen unse­res Innen­mi­nis­ters kennt (gut, das hake ich unter Opti­mis­mus ab), wie man ihn schreibt (ehr­lich, da muss ich auch schon mal nach­schla­gen …) und dass Such­ma­schi­nen die glei­che Innen­sicht haben wie ein Sach­be­ar­bei­ter im Innen­mi­nis­te­rium. Das tra­gischste ist: der Autor die­ses … Brie­fes (das soll es wohl sein, wenn ich mir die Über­schrift anschaue … wobei: es fehlt das »mit freund­li­chen Grü­ßen« oder das »die­ses Schrei­ben wurde maschi­nell erstellt und trägt daher keine Unter­schrift«) ist ver­mut­lich der fes­ten Ansicht, extremste Bür­ger­nähe an den Tag gelegt zu haben. Immer­hin war er freundlich …

Es kann natür­lich auch sein, dass es Frei­tag 11:55 Uhr ist, besag­ter Sach­be­ar­bei­ter nach Hause will und sich grad nicht sicher ist, wie man den Minis­ter schreibt. Geht mir ja auch so. Ich hin­ge­gen opfere mich selbst­los und gerne zum Wohl der All­ge­mein­heit: er heißt  Dr. Tho­mas de Mai­zière. Aber ich muss fair blei­ben: wäh­rend ich schnell in der Wiki­pe­dia nach­schla­gen kann, kann das der Kol­lege im Innen­mi­nis­te­rium nicht, weil dort der Zugriff auf das Inter­net aus Sicher­heits­grün­den ja nicht mög­lich ist.

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… ist mir heute mor­gen schlag­ar­tig klar gewor­den: die Wer­bung ist da nicht so bescheu­ert wie auf den ande­ren Kanä­len, zumin­dest nicht so laut und grell*. Nor­ma­ler­weise. Klar wurde es mir durch die Aus­nahme heute mor­gen: da denkt man an nichts Schlech­tes und plötz­lich grölt einem auch auf B5 der Mario Barth irgend­was vom Media-Markts ins Ohr  - fail!

*) Was sicher auch bedeu­tet, dass ich unauf­halt­sam älter werde …

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.. hat Face­book jetzt bei mir end­gül­tig. Hin­ter­grund ist die­ser Bei­trag im Spie­gel zu einer Wer­be­kam­pa­gne von »Aktion Mensch«, die von Face­book zurück­ge­wie­sen wurde.

Ich finde das nicht nur aus einem Grund zum Kotzen:

Die Kam­pa­gne ist aus­nahms­weise mal wirk­lich geeig­net, etwas mit Vor­ur­tei­len in Köp­fen zu tun. Aber unab­hän­gig davon: eine soziale Kam­pa­gne (die sogar bezahlt ist!) aus faden­schei­ni­gen Grün­den zurück­zu­wei­sen, und diese ganze Mafia-Wars, Farm­vil­les und  Küsschen-senden-Scheiße nicht, ist schon wirk­lich eigenartig.

wei­ter­le­sen… »

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… das Boh­ren dicker Bret­ter. Ein Zitat von Max Weber, soeben in BR quer rezi­tiert von Peter Gau­wei­ler. Ers­te­ren durfte ich im Stu­dium »ler­nen«, letz­te­ren lerne ich erst lang­sam — und ein wenig miss­trau­isch — schät­zen*. Egal: in dem Satz liegt viel Wahres.

wei­ter­le­sen… »

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