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kulturkritik des abendlandes

Kategorie: Medien

Ich lese ja hin und wie­der die Auto­BILD. In der aktu­el­len Aus­gabe schreibt der Experte Klaus-Peter Kal­witzki über das »Über­le­gen­heits­ge­fühl« des Rad­fah­rers, das sich aus sei­ner Sicht aus der »erhöh­ten Sitz­po­si­tion« ablei­ten lässt. Da mag etwas dran sein. Doch wäh­rend ein Rad nahezu keine pas­sive Sicher­heit auf­zu­wei­sen hat, liegt der Fall bei einem SUV ein wenig anders — hat er dar­über auch mal nach­ge­dacht? Wäre zeitgemäßer.

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… nun ja, was soll man jetzt dazu sagen: er meint, wir Deut­schen hät­ten einen schlech­ten Geschmack. Weil wir Has­sel­hoff mal gut fan­den. Und Tita­nic (den Film). Und Britt­nei Schpiehrs. Und Paris Hilton.

Ich gebe zu: mein ers­ter, spon­ta­ner Reflex war: »Menno, gar nicht wahr! Sel­ber! Und aus­ser­dem kocht Deine Mama schlecht!« (… der Typ ist 71, also lebt Mama McCain wohl gar nicht mehr … de mor­tuis nihil nisi bene, und so …).

Grum­mel. Blö­der­weise hat er ja auch nicht gaaaaanz unrecht. Aber dann habe ich mir gesagt: hey, der ganze Kram kommt doch von denen, oder? Und so gaaaaaaanz schlecht schei­nen die das ja auch nicht gefun­den zu haben? Will sagen: blöde Wahl­kampf­these, nur die Leute mit gutem Geschmack anzu­spre­chen. Egal, in wel­chen Land. So wird das nix, Herr McCain! Ne, so nicht! Das kann man sich als FDP leis­ten, oder mei­net­we­gen als Die Grü­nen, aber doch nicht als ame­ri­ka­ni­scher Repu­bli­ka­ner? Was sol­len die Spon­so­ren sagen, die das ja alles bezahlen?

Wer jet­zed noch den Spot vom Herrn McCain sehen mag:

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… da bloggt mein Schwes­ter­lein schon fast zwei Monate und sagt nix — ts! Ich ver­stehe zwar nur die Hälfte, aber trotz­dem: Will­kom­men in der Blogosphäre!

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Da schau mal einer an, der Herr Kon­ken hat einen Arti­kel geschrie­ben. In der aktu­el­len Aus­gabe von »Der Jour­na­list« (Ver­bands­blatt des DJV) geht es aus­nahms­weise um Blog­ger. Zunächst verständnisvoll:

Blogs sind inter­es­sante mediale Berei­che­run­gen, Betrei­ber von Blogs in tota­li­tä­ren Staa­ten sichern die Meinungsfreiheit.

Und wei­ter geht es damit:

Es gibt aber auch sol­che, die mei­nen, sie han­deln jour­na­lis­tisch, müss­ten sich dem unge­ach­tet aber an keine jour­na­lis­ti­schen Regeln han­deln. Sie füh­len sich fälsch­li­cher­weise als Grün­der eines neuen Jour­na­lis­mus, der keine Gren­zen kennt. Eine Mei­nungs­an­ar­chie, die mit Jour­na­lis­mus nichts zu tun hat. Es han­delt sich um vir­tu­elle Anar­chen, für die eine grenz­über­schrei­tende Mei­nungs­äu­ße­rung wich­ti­ger ist als jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflich­ten und Per­sön­lich­keits­rechte. Wer diese aber ablehnt, ver­wirkt seine Rechte als Jour­na­list, miß­ach­tet die ihm mit die­sem Beruf über­tra­gene Ver­ant­wor­tung […] Betä­ti­gen sich Jour­na­lis­ten in Blogs oder Foren und öffnen der freien, oft anony­men Mei­nungs­äu­ße­rung Tür und Tor, dann haben sie eine beson­dere Ver­ant­wor­tung. Eine Ver­ant­wor­tung, die darin besteht, in mode­rie­ren­der Weise durch die The­men zu lei­ten, Ver­let­zun­gen von Per­sön­lich­keits­rech­ten zu erken­nen und zu ahnden.

Was ich von sei­nem ers­ten Aus­bruch gehal­ten habe, ist hier nach­zu­le­sen. Kurz­fas­sung: inhalt­lich dis­ku­ta­bel, ver­bale Ent­glei­sung, der Mensch wäre mir, würde ich ihn denn tref­fen, ver­mut­lich hoch­gra­dig unsympathisch.

Jetzt wird mich die Blo­go­sphäre aber has­sen: ich emp­finde die­sen Text fast schon als Zurück­ru­dern, nicht als Ver­schär­fung. Immer­hin sind nicht mehr alle Blog­ger unter Gene­ral­ver­dacht und es ist nur noch ein Teil der Blo­go­sphäre ein Dorn in sei­nem geschmack­voll und rand­los bebrill­ten Auge. Außer­dem muss man ihm zuge­ste­hen, dass in den Aus­sa­gen ein Kern Wah­res steckt: es gibt viel unaus­ge­go­rene Halb­wahr­hei­ten da draus­sen in der Blo­go­sphäre, mit denen der Kon­su­ment erst ler­nen muss umzu­ge­hen. Bei einer Bild-Zeitung weiß man schließ­lich, was einen erwar­tet (viel­mehr: man erwar­tet wenig …), hin­ter einem seriös anmu­ten­den Blog kann sich schon mal ein ver­ba­ler Brand­stif­ter ver­ber­gen (BTW: mich würde mal inter­es­sie­ren, warum das Medium nicht stär­ker von Sci­en­to­logy und sons­ti­gen Spin­nern genutzt wird … oder wird es schon? Ui, ich setze hier­mit eine neue Ver­schwö­rungs­theo­rie in die Welt!). Das Phä­no­men ken­nen wir von der Wiki­pe­dia — echt sinn­voll, aber wer sich zu 100 % dar­auf ver­lässt, ist sel­ber schuld.

Was stört mich also noch?

Nun ja, zum einen, ich erwähnte es: der Herr Kon­ken ist mir nicht son­der­lich sym­pa­thisch. Das ist meine Mei­nung, ich heiße Peter Cor­ti­celli und ich kann nicht anders. Nur für den Fall dass Herr Kon­ken das liest, damit er nicht sagen kann, das wäre anonym. Aber krat­zen wird ihn das eh´ kaum.

Zum ande­ren, dass auch der »klas­si­sche« Jour­na­lis­mus von sol­chen Anwür­fen frei ist. Wer das Bild­blog ver­folgt, weiß, was ich meine, und Unsau­ber­hei­ten pas­sie­ren über­all, auch bei der FAZ, Moni­tor oder Spie­gel. Das ökono­mi­sche Prin­zip gilt auch bei den Medien, und das Bild vom mora­li­schen Jour­na­lis­ten, der ange­sichts von Abga­be­ter­min und Zei­len­vor­ga­ben allen Ver­lo­ckun­gen, Geld und Zeit für Recher­chen zu spa­ren wider­steht, ist halt doch ein klein wenig idea­li­siert. Es gibt auch keine geheime Initia­tion, bei der ein Jour­na­list einen Eid auf irgend­wel­che Regeln oder einen Berufs­ethos schwört.

Es bleibt die Frage nach der Moti­va­tion: was treibt den Herrn Kon­ken um? Ein gemein­sa­mes Feind­bild auf­bauen? Inter­es­sant ist, dass er den Begriff des »neuen Jour­na­lis­mus« ver­wen­det, nur um die­sen sofort wie­der zu negie­ren. Es soll ver­mut­lich irgend­wie väter­lich klin­gen: »Liebe Blog­ger, ihr spielt ja schön Jour­na­lis­mus, aber jetzt könnt Ihr auch wie­der auf­hö­ren, denn das ist kein Jour­na­lis­mus«. Oder frei nach Rich­ter Roy Bean: »Geh schon klei­ner Rabauke!«. Damit beant­wor­tet er eine Frage, die nie­mand gestellt hat: mich würde wirk­lich eine Erhe­bung inter­es­sie­ren, wie­viele Blog­ger ihr eige­nes Tun als »Jour­na­lis­mus« bezeich­nen wür­den. Aber einer­lei, ob das Blog­gen nun ein neuer Bür­ger­jour­na­lis­mus ist oder nicht, sei für dies­mal dahin­ge­stellt. Jeden­falls hat Kon­ken Angst davor, stell­ver­tre­tend für seine Schäf­chen. Und auch das ist ver­mut­lich überflüssig.

via cio web­log

1 Kommentar

Bri­ti­sche Wis­sen­schaft­lier wol­len her­aus­ge­fun­den haben, dass der dritte Mon­tag eines Jah­res sta­tis­tisch der unglück­lichste Tag des Jah­res ist. Gründe dafür seien das schlechte Wet­ter, unbe­zahlte Rech­nun­gen für Weih­nachts­ge­schenke und nicht ein­ge­hal­tene Vor­sätze für das neue Jahr. Andere bezwei­feln das und begrün­den dies mit Sta­tis­ti­ken über den bei Google ein­ge­ge­be­nen Such­be­grif­fen: es gebe eben keine signi­fi­kante Abwei­chung an die­sem Tag.

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Sind jeden­falls echte Künst­ler. Da tau­melt so ein jung­krea­ti­ver, unan­ge­pass­ter, unrasiert-weil-nicht-spießiger Ferrero-Küsschen-Wichser durch die Stadt auf der Suche nach sei­nem unan­ge­pass­ten Kick — und schnappt sich einen Audi A4. Auch das geht ganz mühe­los als para­dox durch. Hey — nichts gegen Audi. Aber als Nonkonformisten-Objekt geht ein A4 sicher nicht durch.

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Das hat der Bran­chen­ver­band Bit­kom her­aus­ge­fun­den. Wenn ich die Zah­len rich­tig inter­pre­tiere, sind da noch nicht mal die Umsätze von Google dabei. Das finde ich schon beacht­lich, wenn man über­legt wie das Medium Inter­net noch vor 10 Jah­ren belä­chelt wurde. Bemer­kens­wert ist auch, wie schnell der Markt wächst: 2007 hat im Ver­gleich zu 2006 um 103 % zugelegt!

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Weil der neue KITT kein Alkohol-Analyse-Gerät an Bord hat, das ver­hin­dert, dass man besof­fen fährt (die Schwe­den, diese alten Säu­fer, haben wohl so ein Sys­tem tat­säch­lich schon erfun­den). Wo doch jeder weiß: schon der erste KITT konnte sel­ber fah­ren, also ist so ein Kram gar nicht nötig. Der Traum eines jeden Stamm­tisch­bru­ders — wobei man ver­mut­lich aber dann doch wie­derum halb­wegs nüch­tern sein muss, um einem Dorf­po­li­zis­ten klar­zu­ma­chen, dass KITT die Sache schon im Griff hat.

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… machen manch­mal Tipp­feh­ler — tröst­lich zu wissen :)

Nach­trag 17.12.2007:
noch zwei:

(da fehlt das Wort »an« — sieht man nicht auf Anhieb …)

Nach­trag 28.12.:

Mir geht es übri­gens nicht darum, mich über die Kol­le­gen lus­tig zu machen. Ich suche auch nicht bewusst nach sol­chen Feh­ler­chen (die mir sel­ber zuhauf pas­sie­ren!). Ich meine nur, dass pro­fes­sio­nelle Jour­na­lis­ten im Hin­blick auf Qua­li­tät und Sorg­falt eben auch nicht immer die opti­ma­len Vor­bil­der sind, als die sie Herr­schaf­ten wie der hier oder der hier gerne hinstellen.

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Die­ser Post wird nicht so lange wie der über den Herrn Kon­ken, denn vie­les wurde schon dort gesagt.

Man fin­det in dem, was gemein­hin als Blo­go­sphäre bezeich­net wird, sicher­lich hau­fen­weise anonyme Schmutz­fin­ken und unpro­fes­sio­nelle Möchtegern-Journalisten, da hat Herr Graff schon recht. Bei ihm geht es aber so weit, dass er nur Jour­na­lis­ten zuge­steht, eine eigene Mei­nung öffent­lich zu machen, zu publi­zie­ren. Dass auch Nicht-Journalisten durch­aus in der Lage sind, Medien zu nut­zen, sich eine eigene Mei­nung zu bil­den, ist ihm sicher­lich auch klar (oder?). Diese Mei­nung in einem Blog oder Forum zur Dis­kus­sion zu stel­len, ist für mich nur ein klei­ner und logi­scher Schritt — er scheint dies als Angriff auf sei­nen Berufs­stand zu ver­ste­hen. Was die­ser Tage nicht unüb­lich ist.

Wei­ter­hin macht er den für viele Jour­na­lis­ten typi­schen Feh­ler, zu pau­scha­li­sie­ren und zu ver­schlag­wor­ten. Das ist bis zu einem gewis­sen Punkt nor­mal: für ein dif­fe­ren­zier­tes Bild hat ein Jour­na­list heut­zu­tage wenig Zeit, aus­ser­dem müs­sen Gedan­ken den Lesern vor­ge­kaut wer­den, damit sie ver­stan­den wer­den. Ganz neben­bei hilft ein kla­res Pro­fil mit mar­ki­gen Sprü­chen der Selbst­ver­mark­tung, auch wenn man die Dinge, die man erzählt, nicht unbe­dingt sel­ber glaubt. Die Hin­ter­bänk­ler eines jeden Par­la­ments machen es doch genauso: man sucht sich ein Thema, das einem halb­wegs liegt, war­tet auf das Som­mer­loch und ver­tritt dann eine pro­vo­kante These, die Wider­spruch pro­vo­zie­ren muss. Rich­tig in die Suppe hauen — so wird man ministrabel.

Einen wesent­li­chen inhalt­li­chen Aspekt blen­det er auch aus: ohne Blo­go­sphäre wäre die Dis­kus­sion über Vor­rats­da­ten­spei­che­rung (inklu­sive dem gerade für Jour­na­lis­ten so wich­ti­gen Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht) deut­lich lei­ser. Dass sich auch daran ein gro­ßer Hau­fen Schrei­hälse betei­ligt — mein Gott, warum soll es in der Blo­go­sphäre anders zuge­hen als im Bun­des­tag oder bei der DJV-Tagung? Das muss man abkön­nen in einer Demokratie.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Glas­haus (ich pau­scha­liere hier auch ein biss­chen :). Wenn man objek­tiv die Qua­li­tät von Jour­na­lis­mus mes­sen könnte, würde ich mal behaup­ten, dass sich die Pro­fis auch nicht immer mit Ruhm bekle­ckern. Belang­lo­sig­kei­ten, schlam­pige Recher­che, mise­ra­ble Recht­schrei­bung und Ver­leum­dun­gen sind da eben auch an der Tages­ord­nung. Und füh­ren zu dem inter­es­san­ten Effekt, dass ich lie­ber Nig­ge­mei­ers BILD­blog lese als die BILD.

Ach ja, die SZ ist künf­tig auch nicht mehr auf mei­ner Lese­liste. Gute Nacht.

Nach­trag vom 18.12.2007: Mein Gott! Wozu die Auf­re­gung! Man hat mir zuge­tra­gen, der Herr Graff sei nur stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der Online–Aus­gabe der SZ! Und ich hatte tat­säch­lich gedacht, er wäre jemand wich­ti­ges … tja, da muss ich mich wohl ver­le­sen haben. Gott­sei­dank darf ich das, im Gegen­satz zu einem ech­ten Journalisten :)

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