… würde ich Wikileaks wohl auch runterwerfen. Allerdings nicht politisch motiviert, sondern weil ich schlicht befürchten müsste, dass alle meine anderen Kunden unter den unausweichlichen DOS-Attacken leiden müssten und mir damit meine Existenzgrundlage entzogen würde. Wenn ich aber ein Hoster von der Größe Amazons wäre …
Kategorie-Archiv: Netzpolitik
Hallo Herr Minister …
… zu diesem Link hätte ich drei Fragen:
- Warum haben Ihre Kollegen bei der IT-Beauftragten keine Rechtschreib-Prüfung?
- Warum darf man ihnen nur drei Fragen stellen? Sind Sie am Ende gar eine gute Fee?
- Warum wird Ihr Name nicht genannt? Hatten Ihre Kollegen etwa gar Besuch von einer schlechten SEO-Agentur? Oder sperren Sie den Google-Bot eh´ aus? Wobei: wundern tät mich letzteres gar nicht …
Im Ernst, insbesondere der letzte Punkt ist ein so eklatantes und drastisches Beispiel dafür, wie Behörden denken und funktionieren. Erstens geht man offenbar davon aus, dass jeder den Namen unseres Innenministers kennt (gut, das hake ich unter Optimismus ab), wie man ihn schreibt (ehrlich, da muss ich auch schon mal nachschlagen …) und dass Suchmaschinen die gleiche Innensicht haben wie ein Sachbearbeiter im Innenministerium. Das tragischste ist: der Autor dieses … Briefes (das soll es wohl sein, wenn ich mir die Überschrift anschaue … wobei: es fehlt das “mit freundlichen Grüßen” oder das “dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und trägt daher keine Unterschrift”) ist vermutlich der festen Ansicht, extremste Bürgernähe an den Tag gelegt zu haben. Immerhin war er freundlich …
Es kann natürlich auch sein, dass es Freitag 11:55 Uhr ist, besagter Sachbearbeiter nach Hause will und sich grad nicht sicher ist, wie man den Minister schreibt. Geht mir ja auch so. Ich hingegen opfere mich selbstlos und gerne zum Wohl der Allgemeinheit: er heißt Dr. Thomas de Maizière. Aber ich muss fair bleiben: während ich schnell in der Wikipedia nachschlagen kann, kann das der Kollege im Innenministerium nicht, weil dort der Zugriff auf das Internet aus Sicherheitsgründen ja nicht möglich ist.
As Kraut ausg’schütt’ …
.. hat Facebook jetzt bei mir endgültig. Hintergrund ist dieser Beitrag im Spiegel zu einer Werbekampagne von “Aktion Mensch”, die von Facebook zurückgewiesen wurde.
Ich finde das nicht nur aus einem Grund zum Kotzen:
Die Kampagne ist ausnahmsweise mal wirklich geeignet, etwas mit Vorurteilen in Köpfen zu tun. Aber unabhängig davon: eine soziale Kampagne (die sogar bezahlt ist!) aus fadenscheinigen Gründen zurückzuweisen, und diese ganze Mafia-Wars, Farmvilles und Küsschen-senden-Scheiße nicht, ist schon wirklich eigenartig.
Nur mal, Frau Ilse Aigner,
so ein Gedanke: wenn in Feldkirchen-Westerham nur ein Haus verpixelt ist – macht das denn Ihren Personenschützern das Leben nicht unnötig schwer? Und: wenn ich jetzt zufällig durch Feldkirchen-Westerham fahre, ein Foto von Ihrem Haus mache und das dann ins Internet stelle: sind Sie dann mit mir auch so böse, wie mit Google?
Kripo will den Notruf online
Bitte helft mir grad mal denken: hat Herr Jansen vom “Bund Deutscher Kriminalbeamter” eine gute Idee? Er möchte ein Browser-Plugin, mit dem der Bürger anstössige oder rechtswidrige inklusive Screenshot direkt an die Polizei melden kann.
Positiv:
Die User bekommen vielleicht ein wenig mehr Verantwortung fürs Netz.
Negativ:
Denunziation – wenn mir Nachbars Nase nicht gefällt, melde ich seinen Blog einfach der Polizei
Ich glaube, er generiert seinen Kollegen sehr viel mehr Arbeit, als die Sache wert ist.
Vielleicht sollte man die Grundidee aufgreifen – und die Screenshots an eine Community senden, die dann abstimmt, ob ein Verdachtsfall zur Exekutive geht.
Piwik – Web analytics – Open source
So, kaum redet man drüber … jedenfalls ist jetzt gerade die Version 0.5.5 von Piwik erschienen. Wer es nicht kennt: damit steht eine recht leistungfähige Alternative zu Google-Analytics zur Verfügung.Auch ich setze Piwik nun schon seit gut zwei Jahren ein.
Exkurs zu Ursache und Wirkung, Herr Bosbach.
Erneut hat sich ein Politiker in der Internet-Diskussion zu Wort gemeldet, nämlich der Herr Bosbach. Während er es unterlässt, der Diskussion inhaltlich neue Aspekte hinzuzufügen (die Forderung nach mehr Mitteln für die Strafverfolgung ist nicht neu, der “Internet-Ausweis” ist nur ein anderes Wort für die totale Überwachung), tappt er in die gleiche Falle wie viele Politiker vor ihm: nämlich einfach nachzubeten, was ihm andere vorgekaut haben, ohne es wirklich verstanden zu haben: Das Internet sei “Quelle für Kriminalität, Terrorismus und ziemlich viel Schmutz”. Und genau das ist das Problem: niemand würde auf die Idee kommen, Bücher, Telefon oder Fernsehen als Quelle für Schmutz zu definieren. Denn den Schmutz machen Menschen, die das Internet als Werkzeug gebrauchen. Ich denke, auch Extremliberale würden es gerne sehen, wenn Kinderschändern das Handwerk gelegt würde. Tröstlich: dass es sogar in der CDU mittlerweile Leute gibt, die die Internet-Kompetenz der eigenen Parteifreunde anzweifeln.
So gesehen relativiert sich meine Kritik an den Piraten von gestern ein wenig: die halten zu Themen, von denen sie keine Ahnung haben, einfach die Klappe, das ist allemal sympathischer.
An dem Interview mit der Rheinischen Post mit Bosbach wohl auch der Justiziar der Bundestagsfraktion, Günter Krings, teilgenommen. Er beginnt mit dem unsäglichen Ausdruck “Das Internet ist kein rechtsfreier Raum!”, was einen fast schon reflexartig die eigene Magensäure schmecken lässt. Doch halt: irgendetwas stimmt da nicht. Tatsächlich: er spricht von “ist” und nicht von “darf sein”. Hat der es etwa kapiert?
Klarer zum Ausdruck bringt es Brigitte Zypries: “Die Rechtslage ist klar: Was offline verboten ist, ist auch online verboten”, spricht aber auch die Probleme konkreter an: nämlich, dass man bei der Strafverfolgung manchmal an Grenzen stösst, und zwar durchaus wörtlich an Landesgrenzen. Hier gibt es in vielen Fällen (Urheber- oder Patentrecht zum Beispiel) wirklich noch graue Bereiche. Während aber andere nach Zensur, Kontrolle und Strafe brüllen, appeliert sie an die Nutzer, sich selbst einem Kodex zu unterwerfen.
Die Kinderpornographie indes ist fast überall implizit oder explizit verboten – und wo sie es nicht ist, möchten weder Kinderschänder leben noch Kriminelle ihr Geld mit KiPo-Hosting verdienen. Wer genaueres wissen will: Zensursulas Lüge, dem sei nicht so, wurde bereits auseinandergenommen.
Insgesamt aber liest sich der Artikel in der RP wie ein Sommerloch-Lücken-Füller, kann also gut sein, dass die Nachricht gar keine ist, sondern das sinnlose Gestammel eines Volontärs, der die Aufgabe bekommen hat, “mal was mit Internet-Kontrolle” zu machen. Vielleicht hat der Volontär (oder Bosbach) dabei auch den “Elektronischen Personalausweis” gemeint? Kann man schon mal verwechseln, wenn man ahnungslos ist. Aber was man dann tun sollten wissen wir ja schon: Klappe halten. Das ist aber so wie sich als Kinde auf die Herdplatte fassen: man muss es einmal gemacht haben, um die Lektion zu lernen. Gell, Frau Kerstin Kullmann?
Das Zensursula-Problem, oder: Neues von der Problembärin
Die Wortkombination “Zensursula” und “Problem” ließ mich gerade an unseren ehemaligen Ministerpräsidenten denken, und an seinen Problembären. Dabei lief jetzt folgende assoziative Kette: Problem-Zensursula › Problem-Ursula › Problem-Ursel › Ursus Major › der große Bär › (Ursus [lat.]: der Bär) › Ursula (!)
Man kann Zensursula also zu Recht und liebevoll eine Problem-Bärin nennen. Ob die Problem-Bärin jetzt auch eine Schad-Bärin ist, weiß ich nicht, müsste ich mal den Edmund fragen, weil der kennt sich aus mit sowas. Ich würde aber in jedem Fall nicht soweit gehen, ein paar Jäger auf sie anzusetzen und sie abschießen zu lassen. Dagegen war ich auch bei Bruno schon. Wobei weder Bären noch Ministerinnen unter Naturschutz stehen …
Jedenfalls hier ein wenig Lesestoff, insbesondere zum Thema “Milliardenmarkt Kinderpornographie” und warum es diesen in der Form gar nicht gibt.
- Artikel in der SZ-Online
- Vollständiges Interview mit dem Law-Blogger Udo Vetter
- Artikel in den Nürnberger Nachrichten
Schon wieder einer: Thomas Jurk
Zeitgemäßes Chat-Interview von freiepresse.de mit Thomas Jurk, Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl in Sachsen. Zuerst viel kommunales und Landespolitik, aber dann der Hammer:
“Wenn wir gegen das Grundgesetz verstossen, weil wir Pädophilen unmöglich machen kinderpornografische Bilder aus dem Internet herunterzuladen, dann nehme ich das in Kauf.”
Da fällt mir nichts mehr ein. Rotäuglein*. Passt doppelt. Und: Menge der wählbaren Parteien um ein Element reduziert.
* das versteht man wohl nur mit diesem Post hier. Stichwort “Farm der Tiere”.
Buzz in der Blogosphäre:
Die Mär vom rechtsfreien Chaosraum
Ich habe es wirklich versucht: ich habe mir das ganze Interview im Abendblatt durchgelesen – nicht dass die Aussage etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist. Ich habe die fragliche Passage immer wieder gelesen, nicht dass es nur verunglückt formuliert und vielleicht ganz anders gemeint war. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen, um meine Urteilskraft nicht Opfer meiner Entrüstung werden zu lassen. Es hat aber alles nicht geholfen.
Falls wer unter Steinen lebt (Hervorhebungen von mir):
Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann.
Dass die Frau, die sie Pferd nannten, den Begriff vom rechtsfreien Raum Internet erneut strapaziert, ist für sich genommen schon unerträglich. Aber die Floskel vom “richtigen Maß” lässt mich rot sehen. Oder besser braun. Es gab da schon mal eine Gruppe von Menschen, die geglaubt haben, besser zu wissen, was gut sei für den deutschen Volkskörper. Und was nicht. Dass es kein Internet braucht, um Bücher zu verbrennen, wurde bereits das eine oder andere mal eindruckvoll bewiesen. Oder um ein Volk zu verhetzen. Pfui, Frau von der Leyen.
Da ich dabei bin, mich wieder in Rage zu schreiben, lieber noch einige Linktipps
- Die Meinungsfreiheit als Sondermüll – ein waschechter Jurist
- Artikel bei Golem
- zensursula.de Blog eines Aktivisten (vieleInfos, ein wenig einseitig)
- Die dreizehn Lügen der Zensursula – Post auf netzpolitik.org, etwas älter, immer noch wahr
- Zensursula wünscht Ausweitung der Sperren? – netzpolitik.org zum Interview, Kommentare lesen!
- Durchgeknallte, psychisch kranke Zensursula will das ganze Internet sperren – hui, das ist teils starker Tobak, der Blog heißt “schwarze-pest”
Was noch zu sagen bleibt: wenn die FDP diese Frau nach der Wahl weiter ermöglicht, hat die Piratenpartei vielleicht einen Wähler mehr und in jedem Fall ein Mitglied weniger.
Und noch eins: Im Grundgesetz steht: “Eine Zensur findet nicht statt”. Genauso wie an der Scheunenwand stand: “Alle Tiere sind gleich”. Wenn ich also Demokrat bin, muss ich das durchziehen und mit diesen Spielregeln leben. Die einzige Alternative ist es, Schneeball zu verjagen. Und alle anderen die lesen können.