turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Kategorie: Netzpolitik

so ein Gedanke: wenn in Feldkirchen-Westerham nur ein Haus ver­pi­xelt ist — macht das denn Ihren Per­so­nen­schüt­zern das Leben nicht unnö­tig schwer? Und: wenn ich jetzt zufäl­lig durch Feldkirchen-Westerham fahre, ein Foto von Ihrem Haus mache und das dann ins Inter­net stelle: sind Sie dann mit mir auch so böse, wie mit Google?

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Bitte helft mir grad mal den­ken: hat Herr Jan­sen vom »Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter« eine gute Idee? Er möchte ein Browser-Plugin, mit dem der Bür­ger anstös­sige oder rechts­wid­rige inklu­sive Screen­shot direkt an die Poli­zei mel­den kann.

Posi­tiv:

Die User bekom­men viel­leicht ein wenig mehr Ver­ant­wor­tung fürs Netz.

Nega­tiv:

Denun­zia­tion — wenn mir Nach­bars Nase nicht gefällt, melde ich sei­nen Blog ein­fach der Polizei

Ich glaube, er gene­riert sei­nen Kol­le­gen sehr viel mehr Arbeit, als die Sache wert ist.

Viel­leicht sollte man die Grund­idee auf­grei­fen — und die Screen­shots an eine Com­mu­nity sen­den, die dann abstimmt, ob ein Ver­dachts­fall zur Exe­ku­tive geht.

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So, kaum redet man drü­ber … jeden­falls ist jetzt gerade die Ver­sion 0.5.5 von Piwik erschie­nen. Wer es nicht kennt: damit steht eine recht leis­tung­fä­hige Alter­na­tive zu Google-Analytics zur Verfügung.Auch ich setze Piwik nun schon seit gut zwei Jah­ren ein.

wei­ter­le­sen… »

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bosbachErneut hat sich ein Poli­ti­ker in der Internet-Diskussion zu Wort gemel­det, näm­lich der Herr Bos­bach. Wäh­rend er es unter­lässt, der Dis­kus­sion inhalt­lich neue Aspekte hin­zu­zu­fü­gen (die For­de­rung nach mehr Mit­teln für die Straf­ver­fol­gung ist nicht neu, der »Internet-Ausweis« ist nur ein ande­res Wort für die totale Über­wa­chung), tappt er in die glei­che Falle wie viele Poli­ti­ker vor ihm: näm­lich ein­fach nach­zu­be­ten, was ihm andere vor­ge­kaut haben, ohne es wirk­lich ver­stan­den zu haben: Das Inter­net sei »Quelle für Kri­mi­na­li­tät, Ter­ro­ris­mus und ziem­lich viel Schmutz«. Und genau das ist das Pro­blem: nie­mand würde auf die Idee kom­men, Bücher, Tele­fon oder Fern­se­hen als Quelle für Schmutz zu defi­nie­ren. Denn den Schmutz machen Men­schen, die das Inter­net als Werk­zeug gebrau­chen. Ich denke, auch Extrem­li­be­rale wür­den es gerne sehen, wenn Kin­der­schän­dern das Hand­werk gelegt würde. Tröst­lich: dass es sogar in der CDU mitt­ler­weile Leute gibt, die die Internet-Kompetenz der eige­nen Par­tei­freunde anzweifeln.

So gese­hen rela­ti­viert sich meine Kri­tik an den Pira­ten von ges­tern ein wenig: die hal­ten zu The­men, von denen sie keine Ahnung haben, ein­fach die Klappe, das ist alle­mal sympathischer.

An dem Inter­view mit der Rhei­ni­schen Post mit Bos­bach wohl auch der Jus­ti­ziar der Bun­des­tags­frak­tion, Gün­ter Krings, teil­ge­nom­men. Er beginnt mit dem unsäg­li­chen Aus­druck »Das Inter­net ist kein rechts­freier Raum!«, was einen fast schon reflex­ar­tig die eigene Magen­säure schme­cken lässt. Doch halt: irgend­et­was stimmt da nicht. Tat­säch­lich: er spricht von »ist« und nicht von »darf sein«. Hat der es etwa kapiert?

zyriesKla­rer zum Aus­druck bringt es Bri­gitte Zypries: »Die Rechts­lage ist klar: Was off­line ver­bo­ten ist, ist auch online ver­bo­ten«, spricht aber auch die Pro­bleme kon­kre­ter an: näm­lich, dass man bei der Straf­ver­fol­gung manch­mal an Gren­zen stösst, und zwar durch­aus wört­lich an Lan­des­gren­zen. Hier gibt es in vie­len Fäl­len (Urhe­ber– oder Patent­recht zum Bei­spiel) wirk­lich noch graue Berei­che. Wäh­rend aber andere nach Zen­sur, Kon­trolle und Strafe brül­len, appe­liert sie an die Nut­zer, sich selbst einem Kodex zu unterwerfen.

Die Kin­der­por­no­gra­phie indes ist fast über­all impli­zit oder expli­zit ver­bo­ten — und wo sie es nicht ist, möch­ten weder Kin­der­schän­der leben noch Kri­mi­nelle ihr Geld mit KiPo-Hosting ver­die­nen. Wer genaue­res wis­sen will: Zen­sur­su­las Lüge, dem sei nicht so, wurde bereits aus­ein­an­der­ge­nom­men.

kullmannIns­ge­samt aber liest sich der Arti­kel in der RP wie ein Sommerloch-Lücken-Füller, kann also gut sein, dass die Nach­richt gar keine ist, son­dern das sinn­lose Gestam­mel eines Volon­tärs, der die Auf­gabe bekom­men hat, »mal was mit Internet-Kontrolle« zu machen. Viel­leicht hat der Volon­tär (oder Bos­bach) dabei auch den »Elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­weis« gemeint? Kann man schon mal ver­wech­seln, wenn man ahnungs­los ist. Aber was man dann tun soll­ten wis­sen wir ja schon: Klappe hal­ten. Das ist aber so wie sich als Kinde auf die Herd­platte fas­sen: man muss es ein­mal gemacht haben, um die Lek­tion zu ler­nen. Gell,  Frau Kers­tin Kull­mann?

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Die Wort­kom­bi­na­tion »Zen­sur­sula« und »Pro­blem« ließ mich gerade an unse­ren ehe­ma­li­gen Minis­ter­prä­si­den­ten den­ken, und an sei­nen Pro­blem­bä­ren. Dabei lief jetzt fol­gende asso­zia­tive Kette: Problem-Zensursula › Problem-Ursula › Problem-Ursel › Ursus Major › der große Bär › (Ursus [lat.]: der Bär) › Ursula (!)

Man kann Zen­sur­sula also zu Recht und lie­be­voll eine Problem-Bärin nen­nen. Ob die Problem-Bärin jetzt auch eine Schad-Bärin ist, weiß ich nicht, müsste ich mal den Edmund fra­gen, weil der kennt sich aus mit sowas. Ich würde aber in jedem Fall nicht soweit gehen, ein paar Jäger auf sie anzu­set­zen und sie abschie­ßen zu las­sen. Dage­gen war ich auch bei Bruno schon. Wobei weder Bären noch Minis­te­rin­nen unter Natur­schutz stehen …

Jeden­falls hier ein wenig Lese­stoff, ins­be­son­dere zum Thema »Mil­li­ar­den­markt Kin­der­por­no­gra­phie« und warum es die­sen in der Form gar nicht gibt.


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Zeit­ge­mä­ßes Chat-Interview von freiepresse.de mit Tho­mas Jurk, Spit­zen­kan­di­dat der SPD für die Land­tags­wahl in Sach­sen. Zuerst viel kom­mu­na­les und Lan­des­po­li­tik, aber dann der Hammer:

»Wenn wir gegen das Grund­ge­setz ver­stos­sen, weil wir Pädo­phi­len unmög­lich machen kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der aus dem Inter­net her­un­ter­zu­la­den, dann nehme ich das in Kauf.«

Da fällt mir nichts mehr ein. Rot­äug­lein*. Passt dop­pelt. Und: Menge der wähl­ba­ren Par­teien um ein Ele­ment reduziert.

* das ver­steht man wohl nur mit die­sem Post hier. Stich­wort »Farm der Tiere«.

Buzz in der Blogosphäre:

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Ich habe es wirk­lich ver­sucht: ich habe mir das ganze Inter­view im Abend­blatt durch­ge­le­sen — nicht dass die Aus­sage etwas aus dem Zusam­men­hang geris­sen ist. Ich habe die frag­li­che Pas­sage immer wie­der gele­sen, nicht dass es nur ver­un­glückt for­mu­liert und viel­leicht ganz anders gemeint war. Ich habe eine Nacht dar­über geschla­fen, um meine Urteils­kraft nicht Opfer mei­ner Ent­rüs­tung wer­den zu las­sen. Es hat aber alles nicht gehol­fen.
Falls wer unter Stei­nen lebt (Her­vor­he­bun­gen von mir):

Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die unge­hin­derte Ver­brei­tung von Bil­dern ver­ge­wal­tig­ter Kin­der. Doch wir wer­den wei­ter Dis­kus­sio­nen füh­ren, wie wir Mei­nungs­frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­würde im Inter­net im rich­ti­gen Maß erhal­ten. Sonst droht das groß­ar­tige Inter­net ein rechts­freier Cha­os­raum zu wer­den, in dem man hem­mungs­los mob­ben, belei­di­gen und betrü­gen kann.

Dass die Frau, die sie Pferd nann­ten, den Begriff vom rechts­freien Raum Inter­net erneut stra­pa­ziert, ist für sich genom­men schon uner­träg­lich. Aber die Flos­kel vom »rich­ti­gen Maß« lässt mich rot sehen. Oder bes­ser braun. Es gab da schon mal eine Gruppe von Men­schen, die geglaubt haben, bes­ser zu wis­sen, was gut sei für den deut­schen Volks­kör­per. Und was nicht. Dass es kein Inter­net braucht, um Bücher zu ver­bren­nen, wurde bereits das eine oder andere mal ein­druck­voll bewie­sen. Oder um ein Volk zu ver­het­zen. Pfui, Frau von der Leyen.

Da ich dabei bin, mich wie­der in Rage zu schrei­ben, lie­ber noch einige Linktipps

Was noch zu sagen bleibt: wenn die FDP diese Frau nach der Wahl wei­ter ermög­licht, hat die Pira­ten­par­tei viel­leicht einen Wäh­ler mehr und in jedem Fall ein Mit­glied weniger.

Und noch eins: Im Grund­ge­setz steht: »Eine Zen­sur fin­det nicht statt«. Genauso wie an der Scheu­nen­wand stand: »Alle Tiere sind gleich«. Wenn ich also Demo­krat bin, muss ich das durch­zie­hen und mit die­sen Spiel­re­geln leben. Die ein­zige Alter­na­tive ist es, Schnee­ball zu ver­ja­gen. Und alle ande­ren die lesen können.

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Ein paar Fundstücke :)

  • An die­ser Mel­dung bei heise.de ist eigent­lich nur bemer­kens­wert, dass man den Lesern schon erklä­ren muss, wer Wil­liam Shat­ner eigent­lich ist (» [… ], bekannt vor allem durch seine Rolle als Cap­tain James T. Kirk in der Fern­seh­se­rie Star Trek«). Tja, Ruhm ist ver­gäng­lich, wer wüsste das bes­ser als ein Mit­glied der Gene­ra­tion Upload … sagte ich eigent­lich schon, dass ich Wil­liam Shat­ner eher nicht so gerne mag?
  • Tja, liebe Frau von der Leyen. Was ich jetzt davon hal­ten soll, dass Sie das Fahr­ten­buch Ihres Dienst­wa­gens nicht offen­le­gen möch­ten, werde ich nicht öffent­lich kund­tun. Sol­che Aus­drü­cke zer­stö­ren ver­mut­lich selbst engste Freund­schaf­ten, wie die unsere. Und was soll ich erst zu der Benimm-Fibel (das Wort passt irgend­wie zu Dir …) sagen? Oh je …

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wird all­zu­oft und all­zu­laut von denen gefor­dert, die am wenigs­ten davon mit­brin­gen. Wobei ich jetzt weni­ger Sie kon­kret gemeint haben möchte, eher die Gat­tung Homo Poli­ti­cus all­ge­mein, der Sie ja zwei­fel­los ange­hö­ren. Und das ist das Pro­blem: selbst, wenn gut gemeint, pral­len sol­che For­de­run­gen nicht nur am Adres­sa­ten ab, son­dern ver­keh­ren sich ins Gegen­teil. Mal ehr­lich: Anstand ist eine Eigen­schaft, die man von einem Poli­ti­ker gar nicht erst erwartet.

[via Golem]

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