Die Mär vom rechtsfreien Chaosraum

Ich habe es wirklich versucht: ich habe mir das ganze Interview im Abendblatt durchgelesen – nicht dass die Aussage etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist. Ich habe die fragliche Passage immer wieder gelesen, nicht dass es nur verunglückt formuliert und vielleicht ganz anders gemeint war. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen, um meine Urteilskraft nicht Opfer meiner Entrüstung werden zu lassen. Es hat aber alles nicht geholfen.
Falls wer unter Steinen lebt (Hervorhebungen von mir):

Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann.

Dass die Frau, die sie Pferd nannten, den Begriff vom rechtsfreien Raum Internet erneut strapaziert, ist für sich genommen schon unerträglich. Aber die Floskel vom “richtigen Maß” lässt mich rot sehen. Oder besser braun. Es gab da schon mal eine Gruppe von Menschen, die geglaubt haben, besser zu wissen, was gut sei für den deutschen Volkskörper. Und was nicht. Dass es kein Internet braucht, um Bücher zu verbrennen, wurde bereits das eine oder andere mal eindruckvoll bewiesen. Oder um ein Volk zu verhetzen. Pfui, Frau von der Leyen.

Da ich dabei bin, mich wieder in Rage zu schreiben, lieber noch einige Linktipps

Was noch zu sagen bleibt: wenn die FDP diese Frau nach der Wahl weiter ermöglicht, hat die Piratenpartei vielleicht einen Wähler mehr und in jedem Fall ein Mitglied weniger.

Und noch eins: Im Grundgesetz steht: “Eine Zensur findet nicht statt”. Genauso wie an der Scheunenwand stand: “Alle Tiere sind gleich”. Wenn ich also Demokrat bin, muss ich das durchziehen und mit diesen Spielregeln leben. Die einzige Alternative ist es, Schneeball zu verjagen. Und alle anderen die lesen können.

2 Gedanken zu „Die Mär vom rechtsfreien Chaosraum

  1. Herbie

    Der Artikel vom Lawblogger ist wirklich super, hoffentlich lesen den viele. Nett, die Anspielung auf die Farm der Tiere ;-)

  2. Pingback: Schon wieder einer: Thomas Jurk | turbobrain

Kommentare sind geschlossen.