turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Natür­lich sind immer die ande­ren schuld: jetzt sol­len gefäl­ligst die ISP (Internet-Service-Provider, also die Fir­men, die den Internet-Zugang bereit­stel­len) dafür sor­gen, dass keine raub­ko­pier­ten Musik-MP3s mehr durch das Inter­net bewegt wer­den kön­nen. Die IFPI (Inter­na­tio­nal Fede­ra­tion of the Pho­no­gra­phic Indus­try) hat dazu auch kon­krete Vorschläge:

  • ganze Pro­to­kolle anschal­ten, die ver­däch­tig sind (kon­kret die P2P — damit wird ja eh´ nur Schind­lu­der getrieben …)
  • Inhalts­fil­ter — der gesamte Daten­ver­kehr wird unter­sucht, wenn ein Daten­pa­ket ver­däch­tig ist, wird es nicht durch­ge­las­sen (das muss man mal zu Ende den­ken: die wol­len den gan­zen Internet-Verkehr belauschen!)
  • Blo­ckade bestimm­ter Ser­ver (z.B. allofmp3), die für die Ver­brei­tung von angeb­lich unzu­rei­chend lizen­sier­ter Musik bekannt sind.

Letz­te­res könnte ich mir noch vor­stel­len, wenn eine »neu­trale« Stelle (sprich: ein Rich­ter) die Liste der Ser­ver abseg­net. Bezah­len soll dies der ISP, der sich ja dafür ein rei­nes Gewis­sen erkauft. Da ja auch die Kos­ten für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung die ISP tra­gen müs­sen, kön­nen wir uns auf stei­gende Kos­ten gefasst machen. Allein des­halb ver­stos­sen sol­che Ideen aus mei­ner Sicht gegen die Ver­fas­sung: sie behin­dert durch stei­gende Kos­ten den freien Zugang zu Infor­ma­tio­nen. Von den Kon­se­quen­zen für den Daten­schutz möchte ich erst gar nicht anfan­gen. Und das alles nur, weil eine ganze Bran­che zu selbst­ge­fäl­lig ist, auf sich ver­än­dernde Märkte zu reagieren.

Die Web­site des deut­schen Able­gers ist ein gutes Bei­spiel dafür, was ich meine: rd. 3/4 der Start­seite haben direkt oder indi­rekt das Thema »Raub­ko­pie«. Ist die­ser Ver­band wirk­lich für nichts ande­res da?

Ich denke wirk­lich dar­über nach, über­haupt noch Musik über die klas­si­schen Labels zu bezie­hen. Als ers­tes werde ich mir eine Liste der Mit­glie­der die­ser IFPI besor­gen und diese dann boy­kot­tie­ren. Die Bands bekom­men dann jedes Mal eine aus­führ­li­che E-Mail, warum ich ihre neuen Alben gerne gekauft hätte und warum ich es totz­dem nicht tun werde. Viel­leicht auch end­lich ein Anlass, auch mal »andere« Musik zu hören. Hier gibt es zum Bei­spiel eine kleine Aus­wahl davon.

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2 Kommentare

  1. Ich muss es sicher nicht sagen … | turbobrain:

    […] Wenn wir heute wegen einer sinn­lo­sen Jagd auf Kinderporno-Konsumenten Grund– und Büger­rechte opfern, tun wir es mor­gen für Tausch­bör­sen­nut­zer. Oder Falsch­par­ker. Oder lau­fen sonst irgend­ei­ner Lobby hin­ter­her, die gerade am lau­tes­ten nach staat­li­cher Pro­tek­tion schreit. Denn sol­che Ten­den­zen beschrän­ken sich nicht auf das Inter­net, sind im Gegen­teil nur exem­pla­risch für eine Geis­tes­hal­tung, die den Men­schen nicht als Bür­ger, son­dern als Unter­ta­nen oder naive Kin­der begreift  —  oder einen Markt als dau­er­haft “gmaahds Wiesl” (siehe Musikindustrie). […]

  2. Musikindustrie verdient mit Downloads | turbobrain:

    […] muss es eigent­lich nur noch die Musik­in­dus­trie kapie­ren. Diese Icons ver­lin­ken auf Book­mark Dienste bei denen Nut­zer neue Inhalte fin­den und mit […]

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