Nettes Buch, das. Dachte ich zunächst. Zuerst die guten Seiten: Eschbach lässt politische Aspekte fast völlig aussen vor und vertritt insgesamt eine angenehm neutrale Position, man spürt meist das »adiatur et altera pars«, nur selten bezieht er klar Position. Was für diese Art Bücher wahrscheinlich ok ist. Ungefähr in der Mitte hatte ich zwei »Aha-Erlebnisse«. Als ich zu einem Thema hinten nachschlagen wollte, welche Quellen Eschbach für eine etwas gewagtere Theorie hatte, musste ich feststellen, dass es überhaupt keine Quellen gibt — und das sind dann doch recht wenige. Dass er alle im Buch angegebenen Informationen und Ideen selbst wissenschaftlich hergeleitet hat, ist für mich ebenfalls nicht wirklich vorstellbar: zuviel klingt vertraut, hat man in Galileo oder P.M. schon mal gelesen oder gehört.
Bei der Gelegenheit bin ich dann an einem kurzen Fragment auf den letzten Seiten hängengeblieben: Stichwort Klimakatastrophe — woran Eschbach nicht wirklich glaubt. Sei ihm zugestanden, die echten Wissenschaftler (also nicht solche wie Eschbach oder meine Wenigkeit) sind sich ja auch noch nicht ganz einig. Aber: er vertritt ernsthaft die Ansicht, die Verwendung von Energiesparlampen in Mitteleuropa sei keine so gute Idee. Die Begründung mit den Schwermetallen könnte ich ja noch halbwegs nachvollziehen, wenn sie denn zutreffen würde*. Aber das eigentliche Argument ist recht überraschend: die herkömmlichen Glühbirnen tragen wesentlich zur Beheizung von Wohnraum bei! Ohne diesen Anteil müsste man die eigentliche Heizung länger laufen lassen, was ingesamt teurer wäre. Mann, sorry, Herr Eschbach, aber das ist gequirlter Mist. Wenn es energetisch wirklich sinnvoll wäre (was vielleicht bei sehr alten Heizungen mit schlechter Kontrolle über den Wirkungsgrad zumindest ansatzweise wirklich sinnvoll klingen könnte), mit Strom zuzuheizen, würde man Zusatzheizungen bauen, die genau für diesen Zweck optimiert sind. Oder die Heizung gegen eine austauschen, bei der es solchen Schwachsinn nicht braucht. Also, Herr Eschbach: entweder ist Dein Onkel bei Osram (wobei die mittlerweile wahrscheinlich auch mehr mit Energiesparlampen verdienen …) oder das ist nicht ernst gemeint. Oder es ist eine Kontrolle, ob Deine Leser mitdenken. Aber so blöd, das selber zu glauben, bist du nicht, Herr Eschbach. Das Problem dabei ist, dass man den Rest des Buches, den Teil, der plausibel und richtig klingt, dann auch skeptischer sieht. Hm. Vielleicht ist das der Sinn?
*) Wobei einem technisch interessierten, hellen Kopf wie Eschbach sicherlich auch neuere Entwicklungen auf diesem Gebiet bekannt sein dürften — so gibt es LED-Lampen und quecksilberfreie Energiesparlampen.
Nachtrag am 19.1.2008: habe ein bisserl nachgeforscht, es scheint, den Part mit den quecksilberfreien Energiesparlamen muss ich zurücknehmen: Quecksilber wird prinzipbedingt bei allen Entladungslampen benötigt. Aber: erstens nicht viel und zweitens lassen sich die Lampen energiesparend receyclen. Wer mehr wissen will: wie immer bei Wikipedia. Und die Zukunft gehört eh´ der LED.
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