Schlagwort-Archiv: geistiges eigentum

Gesunder Menschenverstand, verschwurbelt ausgedrückt.

Ein amerikanischer Richter wird von Golem wie folgt zitiert:

Wenn es ein Gestaltungsbedürfnis gibt, oder eine Nachfrage im Markt nach der Lösung eines Problems, und wenn es dazu eine begrenzte Anzahl vorhersagbarer Lösungsmöglichkeiten gibt, dann hat ein gewöhnlicher Fachmann auf dem Gebiet gute Gründe dafür, sich mit dem in greifbarer Nähe befindlichen Möglichkeiten um eine Lösung zu bemühen. Führt das zum Erfolg, so ist dieser sicher nicht der Innovation geschuldet sondern den normalen Fähigkeiten und dem gesunden Menschenverstand.

Das ist schon fast eine Perle. Hintergrund ist eine Klage, die ein Unternehmen namens Minerva gegen fast alle Branchengrößen des Mobilfunkmarktes angestrengt hat. Minerva hat es wohl hinbekommen, u.a Patentschutz für ein Mobiltelefon, das “mit einer Kamera im Gehäuse, die mit dem Mikroprozessor verbunden ist und Bilder aufnehmen kann” zu bekommen – und noch ein paar andere solcher Juwelen der Geisteskraft.

Musikindustrie: jetzt drehen sie völlig ab.

Natürlich sind immer die anderen schuld: jetzt sollen gefälligst die ISP (Internet-Service-Provider, also die Firmen, die den Internet-Zugang bereitstellen) dafür sorgen, dass keine raubkopierten Musik-MP3s mehr durch das Internet bewegt werden können. Die IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) hat dazu auch konkrete Vorschläge:

  • ganze Protokolle anschalten, die verdächtig sind (konkret die P2P – damit wird ja eh´ nur Schindluder getrieben …)
  • Inhaltsfilter – der gesamte Datenverkehr wird untersucht, wenn ein Datenpaket verdächtig ist, wird es nicht durchgelassen (das muss man mal zu Ende denken: die wollen den ganzen Internet-Verkehr belauschen!)
  • Blockade bestimmter Server (z.B. allofmp3), die für die Verbreitung von angeblich unzureichend lizensierter Musik bekannt sind.

Letzteres könnte ich mir noch vorstellen, wenn eine “neutrale” Stelle (sprich: ein Richter) die Liste der Server absegnet. Bezahlen soll dies der ISP, der sich ja dafür ein reines Gewissen erkauft. Da ja auch die Kosten für die Vorratsdatenspeicherung die ISP tragen müssen, können wir uns auf steigende Kosten gefasst machen. Allein deshalb verstossen solche Ideen aus meiner Sicht gegen die Verfassung: sie behindert durch steigende Kosten den freien Zugang zu Informationen. Von den Konsequenzen für den Datenschutz möchte ich erst gar nicht anfangen. Und das alles nur, weil eine ganze Branche zu selbstgefällig ist, auf sich verändernde Märkte zu reagieren.

Die Website des deutschen Ablegers ist ein gutes Beispiel dafür, was ich meine: rd. 3/4 der Startseite haben direkt oder indirekt das Thema “Raubkopie”. Ist dieser Verband wirklich für nichts anderes da?

Ich denke wirklich darüber nach, überhaupt noch Musik über die klassischen Labels zu beziehen. Als erstes werde ich mir eine Liste der Mitglieder dieser IFPI besorgen und diese dann boykottieren. Die Bands bekommen dann jedes Mal eine ausführliche E-Mail, warum ich ihre neuen Alben gerne gekauft hätte und warum ich es totzdem nicht tun werde. Vielleicht auch endlich ein Anlass, auch mal “andere” Musik zu hören. Hier gibt es zum Beispiel eine kleine Auswahl davon.

RIAA-Prozess: Musikindustrie gegen Volk

Auch in den US of A gibt es dumme Gerichtsverfahren, nicht nur bei uns. Dieser Tage berichtet die einschlägige Presse (Golem, heiseetc.) von einem Verfahren der RIAA (Verband die Musikindustrie) gegen böse Raubkopierer. Derzeit gilt eine Beweispflicht dafür, dass ein Beklagter wirklich etwas verbotenes getan hat. Um diese zu umgehen, postuliert der Verband, dass nicht erst die Verbreitung von MP3 strafbar sein soll, sondern bereits die Herstellung der MP3 von eigenen CDs, das sogenannte “rippen” – damit hätte man es deutlich leichter, irgendetwas zu beweisen, zudem wäre eine Gelddruckmaschine erfunden.

Wieder mal ein klassisches Beispiel dafür, dass da ein ganzer Industriezweig seine eigenen Kunden für das eigene Scheitern verantwortlich macht und dabei Ursache und Wirkung verwechselt. Innovative Produkte kaufen Leute gerne, es gibt auch Beispiele, die das zeigen. Sicherlich kann man in modernen Zeiten für ein einzelnes Album nicht mehr soviel verlangen – aber dafür ist doch der Markt insgesamt größer: viel mehr Leute hören viel mehr und viel öfter Musik – also, liebe Musikindustrie: wer nimmt Euch denn etwas weg? Ihr müsst nur kapieren, dass Euer Produkt keine Plastikscheiben sind, sondern Musik! Dann klappt das auch weiter mit dem “fairen” Geldverdienen, dann muss mein seinen eigenen Kunden nicht die entgangenen Gewinne wegklagen.

Wenn das Gericht dieser Argumentation folgt und das ganze dann noch nach Europa schwappt, kommen harte Zeiten auf mich zu: ich habe fast meine komplette MP3-Sammlung auf diesem Weg erzeugt.