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Journalisten-Geblubber

Tut mir leid, ich muss mal wieder ätzen. Heute morgen im Radio, zuerst der nervige Spruch: “… dies wurde aus Kreisen bekannt”. Nennt mich altmodisch – aber das ist maulfaul. Früher hieß das mal “wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde …”  - war zwar damals schon Verlegenheitsdeutsch, ergab aber wenigstens ansatzweise einen Sinn (ja, nicht “machte Sinn”!).

Noch viel schlimmer ist das hier: “… nahmen die Arbeitslosen um 2 % zu.” Aha. Wer vorher 100 Kilo wog, wiegt jetzt also 102 Kilo. Ich wollte mich schon ereifern: die sollen arbeiten gehen, nicht fressen! – aber halt: das sollte heißen: “… nahm die Zahl der Arbeitslosen um 2 % zu”.

Braucht man als Redakteur heute wirklich kein Sprachgefühl mehr?

Warum ich im Auto B5 höre …

… ist mir heute morgen schlagartig klar geworden: die Werbung ist da nicht so bescheuert wie auf den anderen Kanälen, zumindest nicht so laut und grell*. Normalerweise. Klar wurde es mir durch die Ausnahme heute morgen: da denkt man an nichts Schlechtes und plötzlich grölt einem auch auf B5 der Mario Barth irgendwas vom Media-Markts ins Ohr  - fail!

*) Was sicher auch bedeutet, dass ich unaufhaltsam älter werde …

Die Mär vom rechtsfreien Chaosraum

Ich habe es wirklich versucht: ich habe mir das ganze Interview im Abendblatt durchgelesen – nicht dass die Aussage etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist. Ich habe die fragliche Passage immer wieder gelesen, nicht dass es nur verunglückt formuliert und vielleicht ganz anders gemeint war. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen, um meine Urteilskraft nicht Opfer meiner Entrüstung werden zu lassen. Es hat aber alles nicht geholfen.
Falls wer unter Steinen lebt (Hervorhebungen von mir):

Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann.

Dass die Frau, die sie Pferd nannten, den Begriff vom rechtsfreien Raum Internet erneut strapaziert, ist für sich genommen schon unerträglich. Aber die Floskel vom “richtigen Maß” lässt mich rot sehen. Oder besser braun. Es gab da schon mal eine Gruppe von Menschen, die geglaubt haben, besser zu wissen, was gut sei für den deutschen Volkskörper. Und was nicht. Dass es kein Internet braucht, um Bücher zu verbrennen, wurde bereits das eine oder andere mal eindruckvoll bewiesen. Oder um ein Volk zu verhetzen. Pfui, Frau von der Leyen.

Da ich dabei bin, mich wieder in Rage zu schreiben, lieber noch einige Linktipps

Was noch zu sagen bleibt: wenn die FDP diese Frau nach der Wahl weiter ermöglicht, hat die Piratenpartei vielleicht einen Wähler mehr und in jedem Fall ein Mitglied weniger.

Und noch eins: Im Grundgesetz steht: “Eine Zensur findet nicht statt”. Genauso wie an der Scheunenwand stand: “Alle Tiere sind gleich”. Wenn ich also Demokrat bin, muss ich das durchziehen und mit diesen Spielregeln leben. Die einzige Alternative ist es, Schneeball zu verjagen. Und alle anderen die lesen können.

War das eigentlich die Diddl-Maus?

Wo es zum ersten Mal gar kein “zum” mehr gab? Ich meine “zum” wie in: “Star-Wars – die Unterhose zum Film” oder “Batman – das Spielzeugauto zum Comic” und so. Diddl hat die lästige Phase übersprungen, in der man auf irgendeine Weise kreativ sein musste – und ist gleich zum Geldverdienen mit Merchandising übergegangen.

Clever, eigentlich;

Nur glaube ich, sogar der Erfinder der Diddl-Maus schläft wahrscheinlich nicht mehr gut, wenn ihm klar wird, welche Dämonen er gerufen hat: Crazy-Frog oder Schnuffel haben bewiesen, dass es noch schlimmer kommen kann. Wie eigentlich fast immer.

So, und bevor ich in Kulturpessimismus versinke, gehe ich auf meine Comictour (siehe rechts: Beetlebum, Flix und Zwarwald :)

Mein Gott, was für ein Müll.

Als ich letzte Woche über die Show vom Mario Barth geschrieben habe, hatte ich sie ja gar nicht gesehen, nur die Verisse darüber gelesen. Heute dachte ich mir, Peterchen, dachte ich mir, schaust es dir mal an, kann ja nicht schaden, dann kannst du mitreden.

Fehler. Bööööser Fehler.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlecht ist. Die Stand-Up-Parts vom Barth und vom Panzer waren ja noch ganz ok. Die Frauengags werden zwar langsam auch etwas fader, aber ok.

Der ganze Rest ist peinliche Quatschsoße. Gerade eben haben sie gekocht (“Männerkochen” mit Bunsenbrenner, Kreuzschlitz-Schraubenzieher und Bier), jetzt fährt Paul Panzer mit einem Panzer (!) über den BMW eines Studiogastes. Mannomann, ich kann ja verstehen, wenn sich die Leute Gottschalks “Wetten Dass” geben, aber das hier ist echt jenseits.

Der Untergang des Abendlandes. Alter!