Sorry, der Kulturpessimismus übermannt mich mal wieder. Nachdem ich mich zwei Tage darüber aufgeregt habe, wie Presse und Publikum über dieses minderwertige Stück Technik derart in Wallung geraten können, dass selbst die offensichtlichen Mängel nicht erkannt werden, erkenne ich: das Teil ist nicht für Leute wie mich entwickelt worden und wird erfolgreich werden.
Die Kunden werden es Apple diesen Prototyp aus den Händen reissen (wer erinnert sich an das erste iPhone?), und mit Begeisterung nochmal mehr Geld für die verbesserte Version ausgeben, die ein normales Unternehmen überhaupt erst als marktreifes Produkt eingeführt hätte. Und sie werden unterwegs die Bild lesen, Talkshows und DSDS kucken und Pornos kucken.
Obwohl, vor dem Hintergrund der angepeilten Zielgruppe machen auch die vermeintlichen Mängel der Ausstattung wieder Sinn:
- die Menschen haben Wurstfinger, also braucht es einen dicken, hässliche Rahmen um das Display herum
- die Menschen sind eh‹ zu hässlich, als dass es eine Kamera zum Video-Chatten bräuchte
- die Menschen sind eh‹ zu doof, sich auf zwei Sachen zu konzentrieren (Musik hören und E-Mail lesen, zum Beispiel, wobei es beim Lesen ja eh‹ schon wieder ausbeisst …) — also wozu Multitasking?
Dass kein Flash geht: naja, Youtube läuft doch, wozu mehr als ein Anbieter? Klappt doch bei iTunes auch hervorragend!
Neidlos anerkennen muss man indes, dass Apple kein Geld für Marketing in Richtung der Freaks verschwendet, denn die fangen schon an zu sabbern, wenn die PR-Abteilung einen Termin für die nächste Pressekonferenz mit Jobs-Beteiligung veröffentlicht. Man konzentriert sich auf die »normalen« Leute und ist in deren Wahrnehmung jedesmal als der Erfinder einer Sache verankert. Denn dass andere automatisch hässlicher und schlechter bedienbar sind, ist mittlerweile auch ein Mythos. Aber gut, ich muss es ja nicht kaufen, für Leute wie mich ist das HP-Slate jedenfalls deutlich besser geeignet.















