turbobrain

kulturkritik des abendlandes

Aus gege­be­nem Anlass wird die­ser Post  bis auf wei­te­res mein letz­ter »ernst­haf­ter« sein. Immer­hin dürft Ihr Euch auf viel Kat­zen­con­tent und viel­leicht wit­zige Belang­los­g­kei­ten freuen!

Der Akteur

Ein Managment-Schweinderl, das gerne durch Unter­neh­mens­dör­fer getrie­ben wird, ist das soge­nannte »Change-Management«. Zen­trale These: Nichts ist bestän­di­ger als der Wan­del, das kön­nen wir nicht ändern, also machen wir das Beste draus und eta­blie­ren eine »Change-Kultur« — wir haben keine Angst mehr vor Ver­än­de­run­gen, son­dern begrü­ßen sie und gestal­ten sie aktiv mit. Von aller Tri­via­li­tät die­ser Erkennt­nisse mal abge­se­hen ist das gar keine schlechte Sache, das meine ich jetzt mal völ­lig unsarkastisch.

Aber.

Oft­mals wirkt diese Kul­tur nur in eine Rich­tung. Es wird über­se­hen, dass auch das C-Level Angst vor Ver­än­de­run­gen hat. Denn auch die Akteure im Arbeits­le­ben ver­än­dern sich und kom­men mit Bedürf­nis­sen daher:

  • Wenn schon »always on«, dann sollte auch mal »Home-Office« mög­lich sein
  • Manch­mal muss das Pri­vat­le­ben ein­fach Prio­ri­tät haben (Noch so ein Buzz-Word: »Work-Life-Balance«)
  • Ver­ant­wor­tung funk­tio­niert in beide Rich­tun­gen: »Mit­den­ker« oder »Intra­pre­neure« zieht man sich nicht durch Maul­körbe heran
  • Mit­ar­bei­ter twit­tern, face­booken, xin­gen ihr Leben — nicht, ohne auch über die Arbeit zu sprechen

Dass die Kon­se­quen­zen die­ses Selbst­be­wusst­seins man­chem Per­so­na­ler den Angst­schweiß auf die Stirn trei­ben, kann ich ver­ste­hen (nie­mand fin­det Mit­ar­bei­ter gut, die sich mit einen Tweet über ihren Arbeit­ge­ber oder über einen wich­ti­gen Kun­den aus­kot­zen, und Unter­neh­mens­ge­heim­nisse soll­ten genau das blei­ben). Die Anti­these sind näm­lich Fir­men, die es hin­be­kom­men: hier sind Blog und Facebook-Seite vor­han­den, bevor der »nor­male« Internet-Auftritt online geht, über das Logo wird von den künf­ti­gen Kun­den oder Mit­ar­bei­tern abgestimmt.

Bur­leske

In vie­len Unter­neh­men lau­tet die Parole: »Social-Media? Brau­chen wir nicht.«. Und oft ist das auch sehr gut so. Denn man kann für sol­che Unter­neh­men von einer der fol­gen­den Annah­men ausgehen:

  • Das Unter­neh­men hat eine zuver­läs­sige Kun­den­bin­dung, Dia­log mit Kun­den und Mit­ar­bei­tern fin­det bereits auf allen Ebe­nen statt, der Dia­log über Social-Media-Elemente wäre ggf. sogar eine Ver­schlech­te­rung, eine Dis­tan­zie­rung vom Kun­den. Ich denke, wir sind uns einig: ein sol­ches Unter­neh­men dürfte die große Aus­nahme darstellen.
  • Das Unter­neh­men hat eine total ver­saute Kun­den­bin­dung, aber ein Pro­dukt, das die Kun­den halt kau­fen müs­sen, sei es, weil es ein­zig­ar­tig ist oder so emp­fun­den wird.
  • Das Unter­neh­men hat ein altern­des C-Level oder eher … klas­si­sche Kun­den; Dinge wer­den lie­ber auf die alt­her­ge­brachte Art gelöst. Hat ja immer funk­tio­niert (also keine »Change-Kultur« …).

In sol­chen Unter­neh­men wird irgend­wann in den nächs­ten zwei Jah­ren fol­gen­des passieren:

  • Eine wich­tige Unter­neh­mens­be­ra­tung wird dem Vor­stand erzäh­len: »So, jetzt könnt Ihr wirk­lich nicht mehr ohne Social-Media!«
  • Es wird ein Mords-Bohei gemacht wer­den, Geld wird da sein, alles wird ganz schnell gehen müssen
  • Bera­ter wer­den her­um­tan­zen und den Mit­ar­bei­tern erzäh­len, wie es war, damals, als sie das Web 2.0 erfun­den haben und ganz gnä­dig wer­den sie sein und alle an Ihrer Weis­heit etwas teil­ha­ben lassen.

Kathar­sis

Dabei wird das Wich­tigste immer noch aus­sen vor blei­ben: das Social-Web hat mit Sozia­lis­mus oder einer »Wir-sind-alle-Brüder«-Mentalität nichts zu tun. Es ist weder per se nett und gut noch böse und gemein. Es ist nur ein beschrei­ben­der Ter­mi­nus. Es ist auch kein neuer Marketing-Verdummungstrend, den Bera­ter und Unter­neh­men in Rich­tung der Ver­brau­cher aus­rol­len. Viel­mehr ändert sich etwas ganz grund­le­gend in der Kom­mu­ni­ka­tion: der Ver­brau­cher erhält eine Stimme, die gehört wird. Wenn man ihm nicht zuhö­ren will, sollte man in der Tat wei­ter­hin die Fin­ger vom Web 2.0 las­sen. Denn der Kunde wird reden und viel Arbeit machen,

Blieb Kunde König frü­her nur der Weg zur Presse, hatte er nur eine Chance, wenn sein Fall reis­se­risch genug auf­ge­macht wer­den konnte. Heute ist ein PR-Gau nur wenige Maus­klicks des Kun­den ent­fernt. Jack Wolfs­kin musste das schmerz­haft her­aus­fin­den, ebenso wie Vod­a­fone, United Air­lines und Jako. Das sind nicht nur kleine Pein­lich­kei­ten, in allen Fäl­len geht es um echte, meß­bare Umsatz­ein­bu­ßen und nach­hal­ti­gen Imageschaden.

Aber nicht nur unge­schickte Marketing-Manager wer­den bestraft, ganze Geschäfts­mo­delle bre­chen weg. Als erste musste dies die Musik­in­dus­trie her­aus­fin­den, aktu­ell befin­den sich die Ver­lage und das Fern­se­hen im Jam­mer­tal, weil ihnen das Inter­net die Kon­su­men­ten und — noch schlim­mer — Wer­be­kun­den weg­nimmt. Noch vor fünf Jah­ren konn­ten füh­rende Ver­lags­ver­tre­ter das bevor­ste­hende »End-of-Print« noch erfolg­reich weg­re­den, ja sogar lächer­lich machen. Ange­sichts des fast als dras­tisch zu bezeich­nende Ein­bruch im Anzei­gen­ge­schäft bei Zei­tun­gen seit­dem möch­ten einen diese armen Mana­ger fast dau­ern. Mit Blick auf eBook-Reader und den Preis­ver­fall für die Nut­zung des mobi­len Inter­net wird die­ser Trend näm­lich mit unver­min­der­ter Geschwin­dig­keit anhal­ten. Die Ver­lage pas­sen sich ent­we­der an oder sie ster­ben — aus­ser, es gelingt ihnen, den Staat weich­zu­klop­fen, sei es um unver­diente Sub­ven­tio­nen zu bekom­men, oder um völ­lig unsin­nige Gesetze durch­zu­drü­cken (Zwangs­wer­bung? Betei­li­gung am GEZ-Topf? Keine Idee wird zu blöd sein!).

Da Capo

Es gibt kei­nen ein­zi­gen Grund davon aus­zu­ge­hen, dass die Finanz­bran­che von die­sem Trend ver­schont wer­den wird: mit dem Handy bezah­len, mal eben Geld in die USA über­wei­sen, Geld anle­gen — alles kann ich bereits jetzt oder in abseh­ba­rer Zeit ohne eine klas­si­sche Bank tun — und meist cle­ve­rer, ein­fa­cher, bil­li­ger. Auch bera­tungs­in­ten­sive Geld­an­ge­le­gen­hei­ten wer­den durch die »Weis­heit der Masse« für den ein­zel­nen beherrsch­bar. Wer sich nicht anpasst, wird auf der Stre­cke blei­ben. Mana­ger sind gut bera­ten, wenn sie das Gegen­stück zu »End-of-Print« für die Ban­ken zu durch­de­kli­nie­ren: »Ban­king is import­ant. Banks are not!«. Wer heute über Smava, Fidor, Kon­to­blick etc. lacht, macht den glei­chen Feh­ler wie die Ver­lage vor gerade mal fünf Jah­ren. Denn Geschäft wird da gemacht, wo die Kun­den sind, und nicht da, wo man sie gerne hätte.


Ein immer wie­der aktu­el­ler Lese­tipp: http://www.cluetrain.de/
Diese Icons ver­lin­ken auf Book­mark Dienste bei denen Nut­zer neue Inhalte fin­den und mit ande­ren tei­len kön­nen.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Google Bookmarks
  • TwitThis
  • Wikio DE

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen


 

Categories

Categories

Categories

SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline
Danke an Gabis Wordpress-Templates